Für viele beginnt die Entstehung der ”grünen Bewegung” in der UdSSR in den Jahren 1986/87, als nach der Tschernobyl -Katastrophe die ökologisch gesinnten Organisationen und Gruppen begannen, ihre Kräfte zu sammeln. Sie konnten sich damals sowohl auf die Sorge der Bevölkerung um den ökologischen Zustand des Landes und die diesbezügliche Untätigkeit der Regierenden als auch auf bereits ausgeprägte antikommunistische Stimmungen stützen.

Doch die eigentlichen Ursprünge liegen bereits in den 60er Jahren. An den biologischen Fakultäten einiger Universitäten gründeten sich zu jener Zeit die ersten Naturschutzgruppen. Ihre Aufmerksamkeit galt anfangs den Naturschutzgebieten und dem Artenschutz. Diese Gruppen bildeten dann Ende der 80er Jahre die Basis für die umfangreiche Entwicklung der Umweltbewegung der damaligen UdSSR.

1986-1990: Große Erfolge und Popularität 

Das war die bedeutendste und erfolgreichste Zeit für die ”Grüne Bewegung”, die damals eine zutiefst politische Bewegung war und das gleiche Ansehen in der Bevölkerung genoß wie die Organisationen, die für eine demokratische Erneuerung kämpften. In einigen Regionen hatten die Grünen durchaus mehr Rückhalt und Unterstützung als die Kräfte, die lediglich den Sturz des Sowjetregimes forderten - zumal viele Bürger davon überzeugt waren, daß das kommunistische Regime die Schuld für die katastrophale Umweltsituation trug. So gab es viele Regionen, in denen aktive und starke Umweltgruppen agierten, aber es gab auch viele Gebiete, wo die Bewohner den Begriff Umweltschutz noch nicht einmal gehört hatten. Deshalb war das Ziel der damaligen Aktivisten, die Kräfte zu vereinen und zunächst eine UdSSR-weite Organisation für den Schutz von Natur und Umwelt zu schaffen. So wurde 1988 in Moskau die Sozialökologische Union (SÖU) gegründet und gleichzeitig ein ihr angehörendes Zentrum für Information und Koordination. Schon im selben Jahr konnte die SÖU ihre ersten erfolgreichen Kampagnen organisieren:

  • Gegen den Beschluß des UdSSR-Ministerrats zur Entwicklung der Energieerzeugung durch Wasserkraft von 1990 bis 2000. Dieser sah den Bau von 90 gigantischen Wasserkraftwerken in Sibirien, dem Fernen Osten und anderen Regionen vor. Durch eine breite Protestbriefaktion konnte die Rücknahme des Beschlusses erreicht werden.
  • Gegen die Bewertung der Umweltauswirkungen eines geplanten Atomkraftwerks in der Südukraine. Es wurden 210.000 Unterschriften von Bürgern gesammelt, in denen zum ersten Mal in der UdSSR die Teilnahme einer Nichtregierungsorganisation (NGO) an der Umweltverträglichkeitsprüfung eines staatlichen Projekts gefordert wurde. Das Ergebnis war, daß von den projektierten 6 Blöcken nur 3 gebaut wurden und eine einzigartige Landschaft erhalten werden konnte.
  • Zur gleichen Zeit begannen einige langfristige Kampagnen, so zum Beispiel gegen den Bau des Wasserkraftwerkes Katyn sowie für die Veröffentlichung der Meßergebnisse der radioaktiven Belastung in und um Semipalatinsk.

Ein weiterer Schwerpunkt war, zwischen den Gruppen ein Informations- und Koordinationsnetz zu knüpfen, um die Hunderte im ganzen Land verstreuten Gruppen über die Existenz und die Ziele der SÖU zu informieren und in gemeinsame landesweite Aktionen einzubeziehen.

1989 gehörten zur SÖU schon mehr als 3200 Aktive und 111 Gruppen in 145 Städten. Zentrales Leitungsorgan ist die Konferenz, die für eine Arbeitsperiode einen Rat wählt, der der Konferenz gegenüber rechenschaftspflichtig ist.

1989 war ein Höhepunkt für die ”grüne Bewegung” in der Sowjetunion. Die Grünen zeigten, daß sie fähig waren, mit großen gewaltfreien Kampagnen einige der gigantischen Regierungsprojekte zu stoppen. Damit wuchs nicht nur das Vertrauen in die eigene Kraft, sondern auch die Unterstützung in der Bevölkerung, und - was das allerwichtigste war - der Mythos der Unbesiegbarkeit der industriellen Regierungsmaschinerie war gebrochen.

So war zum Beispiel der Kampf gegen das geplante Werk zur Vernichtung chemischer Waffen in Tschapajewsk ein Signal dafür, das man nicht nur den zivilen Regierungsbehörden widerstehen konnte, sondern daß auch ein Sieg über das allmächtige Verteidigungsministerium möglich war. Das eigentlich positive Vorhaben, die während des ”kalten Krieges” angehäuften chemischen Waffen zu entsorgen, hätte für Tausende Bewohner dieser Region zu einer lebensbedrohenden Gefahr werden können, da die Technologien nicht im mindesten den Sicherheitsanforderungen entsprachen. So organisierten grüne und anarchistische Gruppen im Sommer 1989 ein großes Camp, von dem aus mehrere Protestdemonstrationen mit bis zu 10.000 Teilnehmern organisiert wurden. Damit und mit einigen gezielten Aktionen gelang es, den Bau des Werkes zu verhindern. Dies war auch der erste Anstoß für die Herausbildung einer radikalen ökologischen Bewegung, und noch im gleichen Jahr wurde die erste radikale Gruppe, die ”Bewahrer des Regenbogens”, gegründet. Ein Jahr später folgte ”Ecodefense” in Königsberg.

Auch das Projekt des Wolga-Tschorgai-Kanals konnte in einer gemeinsamen Aktion von SÖU und mehreren regionalen Gruppen verhindert werden.

1991: Neue Regierung, neue Ökonomie, neue Probleme 

Schon 1990 zeichnete sich ein sinkendes Interesse der Bürger gegenüber gesellschaftlichen Problemen ab. Auch in der Umweltbewegung war das deutlich spürbar. So wurden 1989 mit Unterstützung der Umweltgruppen noch 39 Volksdeputierte aufgestellt, 1990 nur noch 19. Viele Bürger hatten sich mehr aus spontaner Unzufriedenheit heraus in den NGOs engagiert, und die Umweltgruppen selbst waren mit der Bewältigung ihrer alltäglichen Aufgaben und der Organisation einer Massenkampagne nach der anderen voll beschäftigt - so blieb keine Zeit für die Probleme des morgigen Tages. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes, der Bildung einer neuen Regierung und der Einführung eines neuen Wirtschaftssystems verschärften sich die Probleme für die Bevölkerung, und der Kampf ums tägliche Überleben beherrschte das Denken.

Die alten Bürokraten, mit denen man jahrelang während der kommunistischen Diktatur gerungen hatte, standen - nun zu selbsternannten Demokraten gewendet - den Grünen erneut gegenüber. Die Situation verschlechterte sich sehr schnell wieder. Die NGOs verloren den Rückhalt in der Bevölkerung. Viele Umweltgruppen stellten ihre Arbeit ein, andere machten weiter, meist jedoch mit wissenschaftlichem Anspruch, an thematisch eng begegrenzten Projekten.

Trotz allem gelang es dem mehr radikal-ökologisch und anarchistisch orientierten Gruppen noch erfolgreich einige Aktionen zu organisieren. So konnte 1990 mit einem von Saratower Anarchisten, den ”Bewahrern des Regenbogens”, “Ecodefense” und anderen Gruppen organisierten Protestcamp der Bau des vierten Blocks des AKW Balakowsk verhindert werden.

Dieselben Gruppen erreichten im Sommer 1991 den Höhepunkt ihrer Popularität, als sie den bis dahin in seinem Ausmaß alles überragenden Widerstand gegen das Chemiewerk in Saporoshje (Südukraine) organisierten. Direkt vor den Toren des Werkes wurde ein großes Camp aufgebaut, von dem aus alle gewaltfreien Widerstandsaktionen und die Aufklärung der Bevölkerung geleitet wurden. Für zwölf Tage besetzten fünf Teilnehmer des Camps zwei Schornsteine des Werkes und befestigten in luftiger Höhe von 70 Metern zwei riesige Protestplakate. Die örtlichen Machthaber versprachen die Schließung des Werkes, falls die Protestaktion beendet werden würde. Dieses Versprechen war aber sofort vergessen, nachdem die Aktivisten den Schornstein verlassen hatten. Daraufhin besetzten 20 Teilnehmer der Kampagne die Geschäftsräume der Betriebsleitung. Nach 6 Stunden rückte eine Spezialeinheit zur Terrorismusbekämpfung an, um die Besetzer zu verhaften. Die in Freiheit verbliebenen Demonstranten reagierten sofort mit einem Hungerstreik auf dem zentralen Platz in Saporoshje. Auf Bitten der Abgeordneten der Stadtversammlung und nach endlosen Debatten wurden die Besetzer wieder freigelassen. Der Hungerstreik wurde erst beendet, als auf Anordnung des Leiters der Stadtverwaltung das Werk versiegelt wurde.

Die SÖU konzentrierte in dieser Zeit ihre Bemühungen hauptsächlich auf die Lobbypolitik mit Hilfe der ihr nahestehenden Parlamentarier. Es bestand kaum Interesse daran, große Aktionen unter Einbeziehung der Öffentlichkeit zu veranstalten. Das Zentrum für Information und Koordination der SÖU baute gemeinsam mit drei amerikanischen Organisationen ein landesweites e-mail-Netzwerk auf. Das Projekt verlief überaus erfolgreich, innerhalb kurzer Zeit entstand das russischsprachige Netzwerk LIVENET, das ständig erweitert wird. Bis Ende vorigen Jahres konnten etwa 70 unabhängige Gruppen mit einer Mailbox ausgerüstet und mit der Anwendung vertraut gemacht werden.

Erschwerend für eine kontinuierliche Arbeit ist natürlich der chronische Finanzmangel, und nicht wenige Gruppen und ihre Projekte haben aus diesem Grund ihre Aktivitäten sehr einschränken oder auch einstellen müssen. Kaum jemand kannte die Fördermöglichkeiten internationaler Stiftungen, und nur wenige Gruppen hatten entsprechende Kontakte.

Auch die radikale grüne Bewegung hat diese harten Zeiten nur mit Mühe überstanden. Nach der außergewöhnlich erfolgreichen Kampagne in Saporoshje bestand die Hoffnung, auch das Anliegen der radikalen Grünen der Öffentlichkeit zu vermitteln, doch drei Wochen später war alle Aufmerksamkeit auf den Umsturz in Moskau gerichtet und die Schließung des Chemiewerks eine Schlagzeile von gestern.

1992/93: Wenig Höhepunkte

Während 1992 in Lipezk (Mittelrußland) nach einer zweieinhalbmonatigen, leider schwachen Kampagne doch wenigstens der Baustopp eines stark umweltverschmutzenden Rapsöl-Werkes der schwedischen Firma ”Karlshamn AB” erreicht werden konnte, blieb der Protest gegen das AKW in Sosnowo-Borsk bei Sankt Petersburg ohne jeden greifbaren Erfolg. Auch mit späteren Aktionen, wie 1993 dem Protest gegen die Zerstörung des Nationalparks Samarskaja Luka, wo sich die Demonstranten unter die Bulldozer legten und mit ihren Körpern die Sprenglöcher für die geplante Bergbauerschließung blockierten, konnten nur Teilerfolge erreicht werden. Im Vergleich mit den gut organisierten und sehr öffentlichkeitswirksamen Aktionen in Tschapajewsk und Saporoshje blieben sie relativ blaß.

Angesichts der abnehmenden Popularität der grünen Bewegung und des geringen Interesses der Presse an den Umweltproblemen wurde der Entschluß gefaßt, selbst einen leistungsfähigen und aktuellen landesweiten Informationsdienst aufzubauen. 1992 wurde bei der SÖU die ”Soc-Eco-Agency” gegründet, die Informationen und Nachrichten von allen Gruppen der Ex-UdSSR sammelte und wöchentlich ein Bulletin für die Massenmedien herausgab. Wegen der hohen Aktualität und der Exklusivität der Umweltnachrichten aus den verschiedenen Landesteilen genoß die Agentur bald große Popularität bei den Medien. Seit Anfang 1993 betreibt ”Ecodefense” eine eigene Agentur ”Ecodefense!inform”, die versucht, aktuell und umfassend über das ökologische Geschehen in der Ostseeregion zu berichten. Diese Agentur enthüllte den Atomwaffenskandal Ende 1993 im Kaliningrader Gebiet. Einige der betroffenen Funktionäre versuchten, die Tätigkeit der Agentur per Gerichtsbeschluß zu untersagen, was glücklicherweise nicht gelang. Allerdings verloren zwei Mitarbeiter aufgrund ihrer Verwicklung in diese Angelegenheit ihrer Arbeitsstelle (die Mitarbeit in der Agentur ist ehrenamtlich). Der Verlust an Ansehen für die Militärs war jedoch enorm, und es war gelungen, die ansonsten eher gleichgültige Öffentlichkeit für einige Tage ihrer Lethargie zu entreißen.

Der aufkommende Nationalismus in den einzelnen Republiken erschwerte auch zunehmend die Zusammenarbeit der Umweltgruppen. Als in vielen Republiken Politiker mit ultranationalistischer Stimmungsmache versuchten, die verunsicherte und von der wirtschaftlichen Dauerkrise ermüdete Bevölkerung hinter sich zu bringen, glaubten auch viele Vertreter grüner Parteien und Umweltgruppen, sich stärker national abgrenzen zu müssen. Die damit verbundenen nationalistischen Stimmungen waren auch in der SÖU deutlich zu spüren. Trotzdem hielt ein Häufchen Aufrechter am engen Zusammenwirken der Grünen aus allen Regionen der Ex-UdSSR fest. So konnte 1991 das russisch-amerikanische Gemeinschaftsprojekt ”Clearinghouse on the Environment” verwirklicht werden, das bereits 1992 ein Programm zur Finanzierung von ökologischen NGO-Projekten auflegte. Mit Hilfe von LIVENET wurden nach und nach feste Informationskanäle geschaffen. Ein wichtiger Punkt des Austauschs war und ist die Frage, wo und wie die Umweltgruppen finanzielle Mittel für ihre weitere Arbeit bekommen können. Obwohl die grüne Bewegung generell recht schwach ist, gelang es doch vielen Gruppen, internationale Kontakte zu knüpfen und auch internationale Wertschätzung für ihre Arbeit unter diesen Bedingungen zu erlangen. Die SÖU als stärkste und bekannteste Organisation in der Ex-UdSSR fand nicht nur Wege und Mittel, die eigene Arbeit fortzusetzen, sondern konnte auch zahlreiche andere Gruppen unterstützen. Gefördert werden konnten hauptsächlich die Herausgabe von Büchern und Broschüren, aber auch kleinere lokale Projekte von Mitgliedsgruppen. Die Gelder wurden zumeist für die Einbeziehung von Experten in die Erarbeitung von Gutachten zu staatlichen Projekten und die Veranstaltung von ökologischen Konferenzen und Expeditionen aufgewendet.

1994/95: Wiedergeburt?

Bis zum Beginn des Jahres 1994 hatte sich die Zahl der Gruppen deutlich verringert. Die, die all die bitteren Jahre überlebt haben, sind inzwischen mit einem Minimum an notwendiger Technik ausgerüstet und können Schritt für Schritt ihre Aktivitäten erweitern. Die Möglichkeiten, Geld von gemeinnützigen Stiftungen zu erhalten, haben sich deutlich verbessert. Heute gibt es eine ganze Reihe von bilateralen Projekten mit Partnern im Ausland. Als Anerkennung für die geleistete Arbeit der letzten Jahre kann wohl die Aufname der SÖU in die IUCN (International Union for the Conservation of Nature) 1994 angesehen werden. Zugleich wurde die SÖU als eine der 50 aktivsten Umweltschutzorganisationen der Welt eingestuft, und ihr Vorsitzender Swjatoslaw Sabelin wurde 1993 mit dem Goldman-Umweltpreis ausgezeichnet.

Im Frühjahr 1994 erreichte ein Bündnis von sehr verschiedenen Umweltgruppen die Beendigung der militärischen Nutzung in dem einzigartigen Tigerschlucht-Nationalpark in Tadshikistan. Nach unzähligen Protestbriefen und Anrufen beim Generalstab der GUS-Streitkräfte sowie einer Blockade des Generalstabsgebäudes und einer breiten Unterstützung durch die Presse sahen sich die Militärs zur Aufgabe des Objekts gezwungen. Der Sommer 94 war von der Aktion für einen Baustopp des Ölterminals in Odessa geprägt. Obwohl die Anteilnahme der Öffentlichkeit eher schwach war, konnten ukrainische und russische Aktive die Beendigung der Bauarbeiten erzwingen. Zu Hilfe kam ihnen dabei allerdings die akute Wirtschaftskrise in der Ukraine. Die ”Bewahrer des Regenbogens” und ”Ecodefense” organisierten Mahnwachen vor der ukrainischen Botschaft in Moskau und übergaben dem Botschafter ihre Unterstützerschreiben für das Protestcamp in Odessa. Gleichzeitig konnte eine umfangreiche internationale Faxkampagne gestartet werden.

Für die Teilnehmer war nicht nur der Erfolg ihrer Aktion wichtig. Noch wichtiger ist das Zusammengehörigkeitsgefühl aller Umweltengagierten, das Gefühl, daß sich sehr langsam, aber beharrlich eine ”grüne” Bewegung herausbildet, mit der die Mächtigen in diesem Land rechnen müssen. In diesem Zusammenhang steht auch die Gründung des ”Zentrums für gewaltlose direkte Aktion”, dessen Aufgabe es ist, Wege aus der ökologischen Krise aufzuzeigen, eine effektive Zusammenarbeit der Gruppen anzuregen und wirkungsvolle Aktionen zur Verteidigung der Interessen von Natur und Umwelt zu propagieren. Im Februar 1995 hat dieses Zentrum eine internationale Konferenz der radikalen Umweltgruppen in Königsberg organisiert.

Kann man nun gegenwärtig von einer Renaissance der Grünen zu einer anerkannten gesellschaftlichen Kraft sprechen? Auch wenn die Bedingungen heute günstiger sind als noch im Jahre 1993, ist die Situation doch noch sehr kompliziert. Gut, die SÖU hat jetzt mehr als 250 Mitgliedsorganisationen und einige Einzelmitglieder in den USA. LIVENET verbindet etwa 120 Ökogruppen der Ex-UdSSR. Jedoch von der Situation Ende der 80er Jahre sind wir noch weit entfernt. Das zeigt wohl deutlich der Mißerfolg der Grünen bei den letzten Parlamentswahlen.

Schwierig ist auch, daß mit der ausschließlichen Finanzierung über Stiftungsmittel Schwerpunkte gesetzt werden, die nicht immer den inneren Notwendigkeiten entsprechen. Trotz allem ist ein vorsichtiger Optimismus für die Zukunft gerechtfertigt. Bei allen Problemen haben die Grünen ihre Überzeugungen bewahren können und sich nicht von dem finanziellen Druck korrumpieren lassen. (Schaue ich auf meine Organisation, so hat unsere Agentur ”Ecodefense!inform” Anfang 1993 eine einzige Materialsammlung herausgegeben; im Sommer 94 waren es bereits sechs, und in Fragen Umwelt sind wir heute eine bekannte Informationsquelle im Raum Königsberg.)

Die verschiedenen Wege und Ideologien in der Umweltbewegung haben sich erhalten und werden auch heute lebendig und leidenschaftlich diskutiert, aber diese tiefen Grundüberzeugungen haben uns auch all diese schweren Zeiten überstehen lassen. Heute besteht Hoffnung, daß die ”grünen” Positionen wieder zu den richtungsweisenden in der modernen russischen Gesellschaft werden können, und diesem Ziel gilt unsere gesamte Aufmerksamkeit. Dazu benötigen wir auch internationale Zusammenarbeit und Hilfe. Ansätze einer ”grünen” Renaissance lassen sich aufspüren, aber nicht alle Blütenträume reifen. Die Zukunft wird es zeigen...

Übersetzung: Dorothea Bögelsack