Eine Studie der Universität Cambridge hat einen unerwarteten Zusammenhang zwischen Umweltbewusstsein und tatsächlichem Verhalten festgestellt: Wohlhabende Menschen mit ausgeprägtem Umweltbewusstsein haben oft den größten ökologischen Fußabdruck. Obwohl sie sich in wichtigen Bereichen klimafreundlich verhalten – etwa mit eigenem Solardach, Wärmepumpe und E-Auto –, verursachen sie hohe Umweltbelastungen. Über die Studie berichtete die Süddeutsche Zeitung.

Das Forschungsteam um den Verhaltensökonomen Malte Dewies analysierte Daten von mehr als 5000 Personen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, den USA und Kanada. Ergebnis: Menschen mit höherem Einkommen und Bildungsgrad verbrauchen mehr Ressourcen und verursachen mehr Emissionen als finanziell schwächer gestellte Personen.

Das war aus anderen Studien schon bekannt – nicht aber, dass innerhalb dieser wohlhabenden Gruppe die besonders umweltbewussten Menschen oft noch höhere Umweltschäden verursachen als materiell Gleichgestellte mit geringem Umweltinteresse. „Anders als zu erwarten gewesen wäre, ist ihr Fußabdruck umso größer, je stärker ihre umweltfreundliche Haltung ist“, schreiben die Forscher. Dabei unterstützen viele dieser „wohlhabenden Klimabesorgten“ (SZ) sogar die Umweltbewegung finanziell und ideell.

Moralische Kompensation

Bei Menschen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen zeigte sich meist das erhoffte Ergebnis: Mehr Umweltbewusstsein geht mit weniger individueller Umweltbelastung einher. Allerdings betraf das nicht alle Länder gleichermaßen – in Deutschland und Frankreich war kein eindeutiger Zusammenhang erkennbar.

Hauptursache für die paradoxen Ergebnisse bei den umweltbewussten Wohlhabenden ist laut Studie das Reiseverhalten mit häufigem Fliegen und Autofahren. International mobil zu sein gilt als Ausdruck von Weltoffenheit, Bildung und Freiheit. Dabei nutzen viele ihre grünen Pluspunkte in anderen Lebensbereichen, um die klimaschädlichen Auswirkungen ihrer Flugreisen moralisch auszugleichen.

Seit etwa zehn Jahren kommen Studien des Umweltbundesamtes zu ähnlichen Ergebnissen: Menschen, die sich für umweltbewusst halten, haben oft einen besonders hohen Ressourcenverbrauch (Rabe Ralf Oktober 2016, S. 3). Die Erkenntnisse haben aber noch keinen Eingang in die Umweltdebatte gefunden.