Bundeskanzler Friedrich Merz hat im Oktober eine politisch sehr einseitige „Stadtbild-Debatte“ ausgelöst, die immer noch anhält. Dabei sind die realen Probleme offensichtlich: Nach den Zerstörungen des bisher letzten Krieges war es besonders der nie aufgearbeitete Albtraum der politisch gewollten autogerechten Innenstadt, der unsere Städte und Dörfer zerstörte.
Die autogerechte Stadt hat, neben einer manchmal brutalistischen Architektur, zum Verlust historischer Bausubstanz, zum Gesichtsverlust der Städte und zu einem massiven Anstieg des Berufsverkehrs geführt. Wer die Sünden der Vergangenheit nicht aufarbeitet, ist unfähig, Zukunft zu gestalten.
Heute, im globalisierten Gier-Zeitalter, verschwindet der Einzelhandel. Parteien, die sich massiv gegen kluge Pfandsysteme und Verpackungssteuern wehren, tragen Mitverantwortung für die Vermüllung unserer Städte. Dazu kommen verfehlter Städtebau, langweilige Architektur und die massiven Auswirkungen des Klimawandels.
Auch die Probleme einer Gesellschaft, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht und in der die Mittelschicht verschwindet, zeigen sich im Stadtbild. Wo ein ungezügelter „freier Markt“ den Wohnungsmarkt regelt, entsteht eben auch Verelendung. Die Verwandlung der Welt in eine große Fabrik und die verheerenden Folgen der „Großen Beschleunigung“ machen vor Städten und Dörfern nicht halt.
