Wenn in Afghanistan aus Habiba Habib wird, dann ändert sich alles. Habib erfährt, wie viel Habiba fehlt. Doch wenn Habib 13 wird, verliert „er“ alles wieder. Es sei denn, Habib kämpft oder flieht, doch beides kann tödlich enden, genauso wie die Wahl, es nicht zu tun. Habib ist ebenso fiktiv wie Habiba, und doch gibt es viele echte Schicksale, viele echte Bacha Posh: Mädchen, die als Jungen leben, weil ein falscher Sohn besser ist als kein Sohn.

Die UN-Ziele 4 und 5

Aus Sicht der UN-Nachhaltigkeitsziele, der SDGs, spiegeln sich hier gleich mehrere Ziele wider. Habib darf in die Schule, Habiba womöglich nicht. Habib darf draußen spielen, darf seine Schwestern beschützen, muss aber wahrscheinlich Geld verdienen gehen, weil die Familie sonst keines hat. Es ist ein altes Manöver, dokumentiert seit mehr als hundert Jahren und vermutlich noch viel älter. Unter den Taliban ist es eine riskante Strategie, die strikten Geschlechterzwänge zu umgehen. Die Praktik ist für die Mädchen Segen und Fluch zugleich.

Eine realistische Alternative zu echter Geschlechtergerechtigkeit, wie sie Ziel 5 der SDGs fordert, ist es natürlich nicht. Man könnte sogar sagen, dass die Ungerechtigkeit noch untermauert wird, weil das Männliche als besser erscheint, als überlegen – obwohl die Mädchen als „Auf-dem-Papier-Jungen“ zeigen, dass sie alles können und vielleicht sogar besser.

Doch die Anerkennung gilt dem Mann. Er ist „wertvoller“, und daran wird sich nichts ändern, solange nicht das Ziel 5 erreicht wird – und, vielleicht sogar als Grundvoraussetzung dafür, das Ziel 4: hochwertige Bildung für alle.

Bildung schafft Gerechtigkeit

Wer in die Schule gehen kann, hat in der Regel bessere Voraussetzungen für Arbeit und Mobilität. Schulbildung ist besonders für die ärmsten Familien eine Chance. Doch sie müssen nicht selten wählen. Wie die Wahl ausfällt, ist regional sehr unterschiedlich.

In Afghanistan stellt sich die Frage für viele erst gar nicht. In Somalia gehen mehr Jungen in die Schule als Mädchen, denn Mädchen „brauchen keine Bildung, sie werden beschnitten, verheiratet und sterben“. Manche sterben früher als Folge von Beschneidung oder Gewalt durch den Ehemann, andere kommen mit einem harten, ausweglosen Leben bis zum natürlichen Tod davon.

In Guyana im Norden Südamerikas brechen Jungen die Schule öfter ab, um Geld zu verdienen. Trotzdem haben die Mädchen in Bezug auf höhere Bildung und bessere Jobs schlechtere Karten, da sie oft jung heiraten oder verheiratet werden, Kinder bekommen und ihnen dann die Wege verbaut werden.

Nicht umsonst wünschen sich Gruppen von Männern, dass es wieder überall so wird. Sie arbeiten aktiv gegen die SDGs – und vor allem Ziel 4 und 5 sind so manchem ein Dorn im Auge. Mehr dazu auf den folgenden Seiten.


Tipps und Empfehlungen zu den UN-Zielen 4 und 5

 

Bildungsmaterial

Aufgepasst: Für Lehrkräfte und alle anderen, die mit Schulklassen arbeiten, hat der Verein Sideviews zu den 17 Zielen nicht nur tolles Lernmaterial erstellt, es wurden auch Filme mit Kindern für Kinder gedreht. 17 Ziele, 17 Filme, so kommen wir in Deutschland dem Ziel 4 – hochwertige Bildung – wieder ein Stückchen näher und lernen gleich noch was über die anderen, nicht minder wichtigen Ziele.

Bücher für große und kleine Leseratten

„Ich bin Malala“ von Malala Yousafzai und Christina Lamb: Das Buch ist zwar inzwischen so alt, wie Malala war, als die Taliban versuchten sie zu töten, ihre Geschichte und Botschaft sind aber nach wie vor aktuell. Denn noch immer sind Mädchen nicht überall frei und dürfen lernen und ihre Träume verwirklichen.

„Flügel für den Schmetterling“ von Ntailan Lolkoki: Diese Biografie handelt nicht nur von der persönlichen Erfahrung mit FGM/C. Sie nimmt uns auch mit auf eine Reise zu der mutigen Entscheidung für eine Rückoperation und der Wiederentdeckung von Gefühlen, Lust und Sexualität.

„Good Night Stories for Rebel Girls“ von Elena Favilli und anderen: Hunderte tolle Frauen in ganz kurzem, knappem Format kennenlernen, das geht mit dieser Gute-Nacht-Geschichten-Reihe für Kinder und Jugendliche. Manche der Mädchen und Frauen habt ihr hier bereits kennengelernt, doch es gibt noch so viele mehr! Einer der mittlerweile fünf Bände stellt zum Beispiel nur schwarze Frauen, ein anderer junge Frauen und ein dritter nur Migrantinnen vor.

„Als Mädchen geboren“ von Alice Dussutour: Einen ernsteren Blick aufs Mädchensein ermöglicht dieses Buch. Fünf Frauen erzählen, was es für sie bedeutet, als Mädchen geboren zu sein. Dabei sind die Geschichten ganz unterschiedlich. Manche Erlebnisse werden vertrauter erscheinen, und die eine oder andere wird sich vielleicht wiedererkennen, andere aber werden sehr fremd erscheinen.

„Little People, Big Dreams“ von María Isabel Sánchez Vegara: Jedes der über hundert Kinderbücher in dieser Reihe stellt eine berühmte Person vor. Wie ist sie aufgewachsen und wie wurde sie berühmt? Die Reihe porträtiert nicht nur Männer wie Einstein oder Harry Styles, sondern auch viele Frauen. Manche von ihnen sind freiwillig zu „Superheldinnen“ geworden, andere mussten kämpfen.