Kaum jemand hat von Kryolith gehört. Das seltene Mineral kommt vor allem in Grönland vor. Schon 1905 hieß es in einem wissenschaftlichen Werk: „Der Kryolith ist von großem praktischen Interesse, da er das einzige Mineral ist, das derzeit in Grönland abgebaut wird, und das einzige, das jemals einen größeren Ertrag erbracht hat.“ Daran hat sich lange nichts geändert. Bis 1987 wurde das zur Aluminiumherstellung verwendete Mineral in Grönland abgebaut. Die Gewinne flossen zum größten Teil der Kolonialmacht Dänemark zu. Die Bevölkerung Grönlands hat mit den Folgen des Kryolith-Abbaus für Mensch und Umwelt zu kämpfen. Davon erzählt die Dokumentation „Orsugiak – Grönlands weißes Gold“. Es geht um die vergessene Geschichte der dänischen Gewinnung von Kryolith in Ivittuut in Südgrönland, einem der wenigen Orte auf der Welt, an dem Kryolith gewonnen werden kann.

„Orsugiak“ ist auch eine Geschichte des dänischen Kolonialismus, über den bis heute in Deutschland wenig bekannt ist. In der Dokumentation kommen die indigenen BewohnerInnen zu Wort. Sie sprechen über die dauerhaften negativen Auswirkungen, die der Kryolith-Abbau auf die lokale Inuit-Gemeinschaft in Grönland hatte. Zu sehen sind Szenen von Protest und Widerstand. Die Inuit wehren sich dagegen, dass eine Kolonialmacht sich den wichtigsten Rohstoff des Landes aneignet und es bis heute keine Kompensation gegeben hat.

Brisante Fakten 

Die Doku hat in Grönland das antikoloniale Bewusstsein gestärkt. Bei den Wahlen im letzten Jahr bekam auch eine Partei viele Stimmen, die sich klar von Dänemark trennen will – ohne deshalb eine Kolonie der USA zu werden, wie es sich Trump und Co. wünschen. In der kurz aufgeflammten Diskussion über die Machtgelüste des US-Präsidenten gegenüber Grönland wurde in Deutschland oft suggeriert, die grönländische Bevölkerung stehe fast geschlossen hinter Dänemark. Auch hier leistet die Dokumentation Aufklärung. Die Zahl der GrönländerInnen wächst, die weder von den USA noch von Dänemark abhängig sein wollen.

Wie brisant die Doku ist, zeigte sich, als sie im Februar 2025 vorübergehend vom staatlichen dänischen Sender DR aus dem Netz genommen wurde. Als Grund wurde eine angeblich fehlerhafte Grafik genannt, die im Film gar nicht zu sehen ist, aber bei den gezeigten Interviews eine Rolle spielte. Es ging dabei um die Höhe der Gewinne, die die dänische „Schutzmacht“ mit dem Kryolith-Abbau eingenommen hat. Ein Detail, das die Kernaussagen der Doku nicht berührt. Dänemark hat mit dem Abbau des seltenen Minerals große Profite gemacht und sich gegenüber den Inuit wie eine Kolonialmacht verhalten. Dieser Befund ist durch viele Fakten gedeckt.

Es wäre wünschenswert, wenn es auch in Deutschland mehr Wissen über den dänischen Kolonialismus gegenüber Grönland gäbe. Daher wäre es zu begrüßen, wenn die Doku auch auf Sapmifilm und Vimeo und nicht nur bei Amazon und Apple mit deutschen Untertiteln versehen werden könnte.

Orsugiak – The White Gold of Greenland
Regie: Claus Pilehave, Otto Rosing
Dokumentarfilm, 55 Minuten
OF, englische Untertitel
Grönland 2025
sapmifilm.com