Mensch kann Tausende auf die Straße bringen, ohne groß beachtet zu werden. Oder sitzt ganz allein am richtigen Ort – und löst eine ganze Welle aus. Was macht eine politische Aktion wirkungsvoll? Acht Kriterien werden im Buch „Provoziert!“ aufgeführt.

Das erste klingt banal, doch viele scheitern schon hier: Eine Aktion muss Aufmerksamkeit erregen – nicht bei den Beteiligten selbst oder dahinter stehenden Organisationen, sondern bei den Menschen drumherum, sei es direkt oder über die Medien. Aufmerksamkeit ist dabei mehr als das reine Wahrgenommenwerden. Es braucht Elemente in der Aktion, die aufrütteln, irritieren oder provozieren – am besten alles zusammen.

Ein Mittel ist der Bruch mit der Normalität. Die Aktion sollte nicht dem entsprechen, was alle erwarten. Empörungsdemos nach AfD-Wahlerfolgen oder rechten Attacken, Mahnwachen in Kriegszeiten, ewige Wiederholungen an Traditionstagen – das ist eher Selbstvergewisserung als politische Intervention.

Passend zur Forderung

Wenn aber anstelle von 1000 Menschen auf einer Latschdemo 100 kleine Gruppen mit je zehn Personen vor oder in Waggons, Bussen, Restaurants oder an Wartezonen in Bahnhöfen oder vor Eisdielen Menschen direkt ansprechen, Theater spielen oder mit Kreide malen, entsteht auf einfache Weise deutlich mehr Wirkung. Verstecktes Theater, Kommunikationsguerilla oder Auftritte in kreativen Designs steigern das. Direkte Aktionen wie Blockaden oder Sabotage erregen Aufmerksamkeit – aber auch hier nur, wenn sie mehr sind als wutgetriebenes Abreagieren ohne inhaltliche Vermittlung.

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projektwerkstatt.de

Passen Kritik und Forderungen zum Aktionslevel, erhöht das die Aufmerksamkeit. Zaghafte oder zu allgemeine Positionen wie „Demokratie retten“, „Gesellschaftsrat jetzt“ oder „Fuck the System“ schläfern hingegen eher ein.

Die Wahrnehmung verstärken kann zudem die repressive Reaktion der Kritisierten oder des Staates. Dies ist zwar für die Betroffenen oft belastend, erhöht aber das Aufmerksamkeitspotenzial. Jede kleine Aktion auf der Straße wird zum Hingucker, wenn die Polizei auftaucht. Die Räumung von Besetzungen ist oft deren Wahrnehmungshöhepunkt. Zu einer schlauen Aktion kann daher gehören, die Repression zum Teil der Aktion zu machen, beispielsweise die Polizei in ein Theaterstück einzubauen, Polizeiwagen als Litfaßsäulen oder Gerichtsverhandlungen als Bühne zu nutzen.

Wie öffentliche Erregung zielgenau und inhaltsreich entsteht, folgt in der nächsten Ausgabe.