Eine tolle Aktion und alle gucken hin – nur leider kommt nichts rüber, was die Leute zum Nachdenken bringt oder politischen Druck erzeugt. Schade, oder?

Beispiele gibt es genug: Eine Gruppe, die sich telegen vor dem Castor-Atomzug an die Gleise kettet, aber nur ein Transpi zeigt: „Castor stoppen“. Drei lange Tage der Räumung eines Tunnels im Hambacher Forst mit riesiger Berichterstattung, aber leider nur darüber, wie es der Person unter der Erde geht.

Oder „Klimakleben“ auf der Straße: Riesenaufregung, jede Menge TV-Bilder, auf denen aber nur Organisationsnamen oder total langweilige Forderungen zu lesen sind. Da verpufft ganz viel. Und es erleichtert der Gegenseite, sich über die Aktionsmethoden aufzuregen, weil mehr ja nicht zu sehen war.

Mut und Klarheit

Ausdrucksstarke Aktionen eröffnen Erregungskorridore. Das ergibt nur Sinn, wenn die Aufmerksamkeit zur Wahrnehmung politischer Positionen führt. Die Inhalte müssen dabei mehrfach zur Aktion passen: zum Aktionsort, zu den Angesprochenen (Politik, Konzern, Öffentlichkeit, Betroffene) und vor allem zum Aktionsformat selbst. Die Kombination aus spektakulärer Aktion und niveauvollem Inhalt erzeugt die größte Wirkung.

Niveauvoller Inhalt bedeutet: präzise, nachvollziehbare Kritik oder Vorschläge, die zum aufgezeigten Problem passen. Ganze Straßen zu sperren und die Klimakatastrophe anzuprangern, aber dann nur ein Tempolimit zu fordern oder ein neues Beratungsgremium, erfüllen das nicht. Einen Wald zu besetzen und nur die Rettung einzelner Bäume zu fordern, ist zu wenig.

Wir brauchen den Mut, unsere eigentlichen Träume und Vorstellungen in konkrete Positionen zu formen, also mindestens: Stopp aller Flächenversiegelung, echte und umfassende Verkehrswende, raus aus der Zementproduktion oder den fossilen Energien, Vergesellschaftung von Konzernen, Dezentralisierung politischer Macht.

Mehr Infos:
projektwerkstatt.de

Wenn wir uns selbst ernst nehmen wollen, brauchen wir Klarheit in den Aussagen. Aus Angst auf das zu verzichten, was eigentlich notwendig wäre, macht uns wirkungslos. Lieber sollten wir, wenn es passt, hinzufügen, dass langfristig der ganze Motor der Zerstörung abzustellen ist: eine Welt ohne kapitalistisches Wirtschaften, staatliche Herrschaft und weltweiten Konkurrenzkampf. Ein Berlin, das von unten organisiert wird und nicht seine eigene Zukunft verbrennt.