Auf unseren Sonderseiten zu den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen, den SDGs, geht es diesmal um drei Ziele, die eng miteinander verknüpft sind und die durch einen Solarkocher, wie er auf den vorhergehenden Seiten beschrieben wird, erlebbar werden: Ziel 3 – Gesundheit und Wohlergehen, Ziel 7 – bezahlbare und saubere Energie, Ziel 13 – Klimaschutz.

Segen und Fluch

Ohne unsere Sonne gäbe es kein Leben. Doch die Sonne wird durch den menschengemachten Klimawandel vielerorts zum Fluch. Rekordtemperaturen wie bei uns im Juni, die alle anderen Sommer seit der Wetteraufzeichnung in den Schatten stellten, werden das neue Normal sein. Das führt zu einem deutlichen Anstieg an Hitzetoten. Allein in Deutschland waren es laut Hochrechnungen in diesem Jahr bisher 5000 Menschen vor allem durch die Juni-Hitzewelle.

In einem großen Solarkocher wird Wasser in einer Blechkanne erhitzt, daneben sitzt eine nepalesische Dorfbewohnerin.

Kochen mit dem Solarkocher in einem nepalesischen Dorf

Foto: Rob Goodier/E4C/Wikimedia Commons

In vielen Regionen Asiens kommt zur gleißenden, schweißtreibenden Sonne ein zweites Problem hinzu. Während in Berlin die Luftfeuchtigkeit an den meisten Tagen recht niedrig ist, liegt die Luftfeuchte in Ländern wie Indien oder Bangladesch deutlich höher. Dadurch wird immer häufiger und länger die kritische Feuchtkugeltemperatur überschritten. Das ist die Temperatur, bei der der Schweiß nicht mehr verdunstet und sein kühlender Effekt für den menschlichen Körper ausbleibt. So bringen extreme Hitzewellen – wie in diesem Sommer in Indien – viele Menschen an den Rand des Überlebbaren. Sogar die sonst kühleren Häuser sind dann nur noch Glutöfen.

Umso wichtiger ist das Ziel 13: Maßnahmen zum Klimaschutz. Denn Ziel 3 ist sonst unerreichbar – von Gesundheit und Wohlergehen kann man unter diesen Bedingungen nicht reden. Eine Befeuchtung der Luft, wie es manche Städte in Europa tun, um die Verdunstungskühle auszunutzen und den Menschen ein erträgliches Mikroklima zu bieten, ist für viele Orte weiter südlich keine Option. Dort lässt sich Extremhitze nur noch mit einer Klimaanlage aushalten. Sicher denken gerade auch so manche von uns darüber nach. Doch Klimaanlagen fressen viel Strom und heizen die Städte noch weiter auf.

Saubere Energie von der Sonne

Strom kommt in Deutschland noch etwa zur Hälfte aus fossilen Rohstoffen, auch wenn in den letzten Jahren vor allem Anlagen zur Stromgewinnung gebaut wurden, die auf erneuerbare Quellen zurückgreifen. Auch viele andere Länder verfolgen Energiewende-Pläne. Doch der saubere Strom muss auch zu den Orten kommen, wo er gebraucht wird.

Das Ziel 7 – bezahlbare und saubere Energie – ist vor allem im globalen Süden noch immer ein Problem. Zum Beispiel hat heute in Indien fast jeder Haushalt Zugang zu irgendeiner Form der Energieversorgung, aber das heißt noch lange nicht, dass jederzeit Energie zur Verfügung steht. Noch schlechter sieht es auf dem afrikanischen Kontinent aus. Vor allem südlich der Sahara müssen hier noch fast 40 Prozent aller Menschen ohne Stromversorgung auskommen. Besonders betroffen sind die Dörfer.

Solarenergie ist hier ein Schlüssel. Viele Projekte zur Unterstützung von dörflichen Gemeinschaften drehen sich um Projekte mit Solarstrom, von ehrgeizigen Projekten wie größeren Solarkraftwerken bis zur kleinen Solarlampe oder Powerbank. Solche Projekte helfen dabei, die Gemeinden mit bezahlbarer und sauberer Energie zu versorgen.

Ein neuer Solarkocher steht auf rötlichem Boden neben einem einfachen Backsteinhaus.

Kochen mit dem Solarkocher im ländlichen Uganda
Foto: Techlang/Wikimedia Commons

Kochen ohne Brennholz

Der Strom kann für Lampen genauso wie für Herdplatten genutzt werden. Natürlich zum Kochen, im globalen Süden aber auch zum Abkochen von Wasser. Zum Kochen braucht man allerdings viel Strom. Da ist es von Vorteil, dass sich Sonnenenergie auch ganz direkt und ohne technische Anlagen nutzen lässt. Der Schweizer Verein ADES engagiert sich in Madagaskar dafür, dass Solarkocher zur Verfügung stehen. Das Projekt stellt die Kocher inzwischen vor Ort her, das schafft Arbeitsplätze, häufig für Frauen. Die Kocher können helfen, gesundheitsschädliche Keime im Wasser abzutöten sowie ganze Mahlzeiten zuzubereiten, ohne dass kostbare Bäume und Wälder abgeholzt werden müssen und ohne offenes Feuer und Rauchentwicklung. Die Solarkocher werden aufgestellt und das Kochen kann losgehen.

Die zunehmende Notwendigkeit, Wasser abzukochen, ist übrigens auch eine Folge des Klimawandels. Dürre, Starkregen und Überflutungen schaffen günstige Bedingungen für Keime im Trinkwasser. So ist Cholera ein häufiger Feind vieler Menschen. Auch die Ausrottung des Guineawurms ist durch die Klimaveränderungen bedroht. Zum Glück lassen sich beide Gesundheitsgefahren einfach vermeiden – durch Pasteurisieren, also Abkochen des Trinkwassers, am besten auf einer Herdplatte mit Strom aus dem lokalen Solarkraftwerk oder draußen im Solarkocher.

Natürlich gibt es auch andere erneuerbare Energiequellen, doch nicht jede ist für jeden Ort geeignet und nicht jede ist unabhängig von Kabeln und Akkus. So oder so, das Erreichen von Ziel 7 schlägt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Der Verzicht auf fossile Brennstoffe ist ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz, und selbst die einfachste Form der Nutzbarmachung von Sonnenenergie verbessert Gesundheit und Wohlergehen vieler Menschen, solange die Sonne scheint.


Infos und Termine

Für Lehrkräfte spannend: Am 24. August beginnt die Anmeldephase fürs diesjährige Berliner Entwicklungspolitische Bildungsprogramm (benbi) unter dem diesjährigen Motto: Mitreden, mitmachen, verändern – #globalgerechtgestalten. Die Woche findet vom 9. bis 13. November wie immer im FEZ in der Wuhlheide statt. Infos: kate-berlin.de

Dritter Runder Tisch „Die SDGs und ich!“ – Ziel 5 (Gleichstellung) im Fokus: Nachdem wir den ersten Termin leider absagen mussten, versuchen wir es nochmal, denn Frauen geben nicht auf. Wir hoffen, dass sich für den 1. Oktober von 18:30 bis 20:30 Uhr im EWA Frauenzentrum viele Frauen und weiblich gelesene Menschen inklusive Transfrauen anmelden.  Infos: rabesdgs.grueneliga-berlin.de