Wenn wir in Deutschland über die Klimakrise sprechen, denken viele zuerst an den Klimaschutz: CO₂-Einsparungen durch den Ausbau erneuerbarer Energien oder die Verkehrswende. Das ist richtig und notwendig. Doch daneben gibt es noch eine weitere wichtige Frage: Wie bereiten wir uns auf die Auswirkungen der Klimakrise vor?

Diese Frage stellte sich mir besonders eindrücklich bei einer Reise nach Bangladesch mit dem Umweltausschuss des Deutschen Bundestages – und wenige Wochen später beim Besuch einer Schule in meinem Wahlkreis Berlin-Pankow.

Bedrohung und Hoffnung

Bangladesch gehört zu den Ländern, die die Klimakrise am härtesten trifft, obwohl die Menschen selbst kaum dazu beitragen: Der CO₂-Ausstoß pro Kopf ist verschwindend gering. Vor Ort sind die Folgen des weltweiten CO₂-Ausstoßes jedoch gravierend: Rund 30 Prozent des Landes drohen in den kommenden Jahrzehnten überflutet zu werden, die Böden der Küstenregionen versalzen, Landwirtschaft ist kaum noch möglich. Im vergangenen Jahr wurde in der Küstenregion eine Rekordtemperatur von 43,5 Grad Celsius gemessen.

Besonders betroffen sind Frauen im Süden des Landes: Sie stehen teilweise acht Stunden täglich hüfthoch im Salzwasser, um Shrimps und Fische zu fangen, weil die versalzten Böden keinen Ackerbau mehr erlauben und sie dadurch eine wichtige Einnahmequelle verloren haben. Gebärmutterhalskrebs und Unfruchtbarkeit treten überdurchschnittlich häufig auf. Medizinische Versorgung ist kaum vorhanden, Trinkwasser liegt bis zu zwei Stunden Fußweg entfernt. Die Menschen leiden unter einer Krise, die sie nicht verursacht haben.

Und dennoch habe ich vor Ort vor allem eines gesehen: beeindruckende Widerstandskraft. Mit internationaler Unterstützung entstehen Deiche zum Schutz vor Überflutungen. Zyklon-Unterkünfte bieten Sicherheit bei immer häufigeren Stürmen. Solaranlagen sorgen auch bei Stromausfällen für Energie, Regenwasser wird gespeichert, Frühwarnsysteme und Erste-Hilfe-Schulungen helfen, Menschenleben zu retten. Das gibt Hoffnung und Inspiration, dass es auch Anpassung an extreme Klimafolgen gibt.

Begrünter Schulhof mit Holzbänken.

Berlin: Der Schulhof speichert jetzt Regenwasser.

Gemeinsam anpacken

Wenige Wochen später besuchte ich die Freie Waldorfschule am Prenzlauer Berg in Berlin. Auf den ersten Blick könnten die Unterschiede kaum größer sein. Doch auch hier geht es um die Herausforderung: Wie gehen wir mit den Folgen der Klimakrise um?

Wo früher ein nahezu vollständig asphaltierter Schulhof lag, sorgen heute begrünte Flächen, Rigolen und Mulden dafür, dass Regenwasser direkt vor Ort gespeichert und versickert wird. Das entlastet die Kanalisation bei Starkregen, schützt vor Überflutungen und kühlt die Umgebung an heißen Sommertagen. Das Schulgebäude wurde energetisch saniert, eine Dachbegrünung und Solaranlagen ergänzen das Konzept. Besonders beeindruckend ist dabei das Engagement der Schulgemeinschaft: Lehrkräfte, Eltern und Kinder gestalten und pflegen die Anlage gemeinsam.

Die Herausforderungen in Bangladesch und Berlin sind nicht vergleichbar. Doch sie zeigen eine gemeinsame Wahrheit: Wasser ist zur zentralen Klimafrage geworden. Mal gibt es zu viel davon, mal zu wenig. Beides verlangt nach klugen Lösungen.

Eine Frage der Gerechtigkeit

Genau das beschreibt auch das Nachhaltigkeitsziel 13 der Vereinten Nationen: die Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit gegenüber klimabedingten Gefahren und Naturkatastrophen in allen Ländern zu stärken. Klimaanpassung ist kein Luxus und kein nachrangiges Politikfeld. Sie entscheidet darüber, wie sicher, gesund und lebenswert unsere Orte in Zukunft sein werden.

Berlin braucht deshalb deutlich mehr Entsiegelung, Regenwasserrückhalt und Stadtgrün. Gleichzeitig dürfen wir die internationale Verantwortung nicht aus dem Blick verlieren. Länder wie Bangladesch benötigen verlässliche Unterstützung, um sich an die Folgen einer Krise anzupassen, die sie kaum verursacht haben.

Klimaanpassung ist eine Frage der Vorsorge – und der Gerechtigkeit. Wer heute in widerstandsfähige Infrastruktur investiert, schützt Menschenleben, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und spart morgen enorme Folgekosten. Von Bangladesch können wir lernen, wie wichtig es ist, vorbereitet zu sein. Und in Berlin können wir zeigen, dass Anpassung schon heute konkret beginnt – auf unseren Schulhöfen, in unseren Quartieren und mitten in unserer Stadt.

Die Autorin ist seit 2025 direkt gewählte Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen für Berlin-Pankow. Zuvor war sie im Berliner Abgeordnetenhaus. Ihre Schwerpunkte sind Klimaanpassung, Stadtbegrünung, Wald- und Bodenschutz sowie Textilien in der Kreislaufwirtschaft („Fast Fashion“).