Rund 40 Prozent der Treibhausgasemissionen Berlins entstehen durch das Heizen von Gebäuden – vor allem mit Erdgas, Kohle und Heizöl. Die Wärmeversorgung ist nicht nur der größte Einzelposten der Berliner Klimabilanz. Sie beeinflusst auch die Wohnkosten. Die Gaspreiskrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat gezeigt, wie schnell Heizen zur existenzbedrohenden finanziellen Belastung werden kann. Im März bahnte sich Ähnliches durch den Krieg im Nahen Osten an.

Die Wärmewende ist deshalb nicht nur ein Klimaprojekt, sondern auch eine soziale Frage. Damit Heizen langfristig bezahlbar bleibt, müssen wir auf die effizienteste Technologie setzen, die uns derzeit zur Verfügung steht: Die Wärmepumpe funktioniert in Einzelgebäuden und ebenso für Wärmenetze. Weiter auf die Verbrennung teurer Brennstoffe zu setzen, ob fossil oder „grün“, führt in jeder Hinsicht in eine Sackgasse.

Verbrennen ist von gestern 

Jahrtausendelang hat Feuer die Menschen gewärmt. Doch Verbrennung ist ineffizient, ressourcenintensiv und schadstoffreich. Hochwertige Energieträger werden zerstört, um vergleichsweise niedrige Temperaturen für Heizzwecke zu erzeugen. Aus mehreren hundert Grad Verbrennungstemperatur werden am Ende etwa 20 Grad Raumwärme. Gleichzeitig entstehen Kohlendioxid, Stickoxide, Feinstaub und – je nach Energieträger – weitere Schadstoffe. Das gilt für fossile und für als „grün“ deklarierte Gase und Öle gleichermaßen.

Dass Biomasse, Biogas oder neuerdings „Bio-Heizöl“ als klimaneutral gelten, ist Etikettenschwindel. Denn erstens setzt das Verbrennen von biogenen Brennstoffen sehr wohl große Mengen an Kohlendioxid frei, Holz sogar mehr als Erdgas. Zweitens ist der Biomasseanbau schon heute eine Belastung für die Umwelt, da er industrielle Landwirtschaft mit riesigen Monokulturen sowie Dünger- und Pestizideinsatz zur Grundlage hat. Im Vergleich zu Wind- und Solarparks verbrauchen diese „grünen“ Brennstoffe zudem ein Vielfaches an Fläche für denselben Energieertrag. So ist der Stromertrag pro Hektar bei Solarparks im Schnitt 28-mal höher als bei Biogas. Im Wärmesektor kann mit Solarstrom und Wärmepumpen im Mittel sogar 65-mal mehr Wärme auf der Fläche erzeugt werden als mit Hackschnitzeln aus Kurzumtriebsplantagen. Und wer sich nun darauf zurückzieht, nur Altholz oder Reststoffe verbrennen zu wollen, stützt sich auf ein Sortiment, das heute schon sehr knapp und teuer ist.

Effizienzwunder Wärmepumpe 

Ganz anders steht die Bilanz von Wärmepumpen da. Aus einer Kilowattstunde Strom gewinnen die kompakten Geräte das Zwei- bis Vierfache an Raumwärme, weil sie zusätzlich Wärme aus der Umgebung abziehen. Je wärmer die genutzte Wärmequelle und je niedriger die benötigte Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet die Pumpe. Das bedeutet: Gute Dämmung, effiziente Heizsysteme und möglichst ergiebige Umwelt- oder Abwärmequellen senken den Stromverbrauch und die Kosten zusätzlich.

Seit 2022 sind Wärmepumpen durchgängig günstiger als fossile Heizsysteme. Sie eignen sich nicht nur für Neubauten, sondern auch für Bestands- und sogar denkmalgeschützte Gebäude. Selbst bei einem noch nicht vollständig erneuerbaren Strommix entlasten sie das Klima deutlich. In Wärmenetzen sorgen sie dafür, dass auch Wärmequellen mit niedrigeren Temperaturen für die Wärmeversorgung nutzbar werden. Dazu gehören das Wasser der Spree oder Abwasserkanäle, Rechenzentren, Kühlhäuser oder das Erdreich. Die klimafreundlichen Alternativen liegen also längst vor der Haustür – oder darunter.

Berlin braucht auch deshalb Nahwärmenetze als Grundpfeiler der Wärmewende, weil es hier keine großen einzelnen Industriebetriebe gibt, die viel Wärme abgeben könnten. Stattdessen verfügt die Stadt über viele dezentrale Wärmequellen, die sich in kleinere Netze effizienter einbinden lassen als in große Fernwärmenetze mit hohen Betriebstemperaturen und langen Leitungen, die historisch auf fossile Brennstoffe ausgelegt sind. Deshalb stehen hier die Fernwärmeunternehmen vor besonderen Herausforderungen. Für sie liegt es scheinbar nahe, einfach auf andere, als „klimaneutral“ bezeichnete Brennstoffe umzusteigen und so die gesetzlichen Vorgaben formell zu erfüllen. Dieser Weg wurde bislang auch verfolgt. Aus den genannten Gründen ist das aber eine Sackgasse.

Broschüre und mehr Infos:
power-shift.de/klimaneutral

Statt den landeseigenen Fernwärmeversorger BEW aufzurufen, sein Netz noch weiter zu vergrößern, sollte der Berliner Senat darauf drängen, dass zunächst der Umbau zu einem klimafreundlichen Netz gelingt. Das bedeutet, endlich die Geothermie voranzubringen und dafür zu sorgen, dass der Ausbau von Großwärmepumpen nicht am Stromnetz scheitert. Denn obwohl das Stromnetz der Hauptstadt schon erheblich ausgebaut und verstärkt wird, können derzeit kaum neue Großwärmepumpen gebaut werden, weil es nicht genügend Netzkapazität für sie gibt.

Nichtstun wird am Ende teurer

Neue, klimafreundliche Heiztechnologien haben relativ hohe Investitionskosten. Dafür sind sie später im Betrieb sehr günstig. Bei Verbrennungs-Heizsystemen ist es umgekehrt: Sie sind billiger zu installieren, aber im Betrieb teuer, weil ständig Brennstoffe gekauft werden müssen. Für Wärmeversorger und Immobilienunternehmen ist es deshalb verlockend, einfach beim Alten zu bleiben, weil sie die steigenden Brennstoffkosten auf die Kund:innen und Mieter:innen abwälzen können. Auch Gebäudesanierung erscheint dann nicht so wichtig, wenn „grüne“ Brennstoffe für klimaneutral gehalten werden. Eine sozial und ökologisch zukunftsfähige Wärmeversorgung gelingt mit einer solchen Haltung allerdings nicht.

Im Sommer soll der erste Berliner Wärmeplan veröffentlicht werden. Er wird für das gesamte Stadtgebiet zeigen, wo Fernwärme vorhanden, wo Nahwärmenetze möglich und wo eine eigene Wärmepumpe die beste Wahl ist. Darauf aufbauend braucht Berlin eine anspruchsvolle Wärmewendepolitik, die das Klima und die Mieter:innen gleichermaßen schützt.