Die Millionenmetropole Berlin verfügt über fünf innerstädtische Badeseen. Das klingt nach wahrer Lebensqualität für gestresste Großstädter. Allerdings ist der Genuss eines Sprungs ins kühle Nass seit einigen Jahren nur noch gegen Eintrittsgeld zu haben, und hier gleichen sich die Geschichten: An allen fünf Seen gibt es ein Strandbad, das von den Berliner Bäder-Betrieben an gewerbliche Betreiber verpachtet wurde. Deren drei haben derweil den Naturschutz für sich entdeckt. Der ist allerdings nur in Gefahr, wenn man sich außerhalb des Strandbads ins Wasser wagt.
Ein Schelm, wer dabei denkt, dass der engagierte Einsatz für den Schutz der sensiblen Uferzone zugleich verhindert, dass Menschen baden, ohne Eintritt zu entrichten. Der Betreiber am Orankesee verhindert das tatkräftig, indem er einsame Schwimmer, die es über die letzte „wilde“ Nische ins Wasser geschafft haben, mit gellendem Pfiff aus dem Wasser jagt. Absurde Dimensionen nimmt die Instrumentalisierung des Naturschutzes am Plötzensee an, dessen Strandbad mit seinen kahlen Sandflächen sicherlich ein Drittel des gesamten Seeufers einnimmt, während am gegenüberliegenden Ufer nicht einmal das Bad von der steinernen Uferterrasse aus erlaubt ist.
Aufwertung heißt jetzt Klimaanpassung
Sehr besorgt um die Natur außerhalb des eigenen Strandbads zeigte sich auch der Pächter des Strandbads am Weißen See. Dort sorgt inzwischen ein brachialer Zaun um den See dafür, dass fürs Baden bezahlt wird. Bei der Abriegelung des Sees – nicht nur für Menschen, auch für Tiere – und dem Bau zweier Uferplattformen zum „Gucken statt Baden“, finanziert durch wieder einmal zweckentfremdete „Klimaanpassungsmittel“ aus dem Bundesbauministerium, spielten Natur- und Landschaftsschutz dann keine Rolle. Auch am Jungfernheidesee wurde viel montiert, um den Einstieg in den See außerhalb des Strandbads zu unterbinden.
Nur der Betreiber des Strandbads Halensee musste sich gar nicht erst um die Natur sorgen, hier verhängte das Bezirksamt beherzt ein Badeverbot an der kleinen kostenfrei zugänglichen Badestelle: Das Wasser sei zu schmutzig. Im Strandbad wenige Meter weiter im selben See waren die Wasserproben offensichtlich unbedenklich, dort blieb das Baden erlaubt.
