Die besten Dinge im Leben haben mit Verschwendung zu tun. Liebe ist Verschwendung, Schönheit ist Verschwendung, Sex ist Verschwendung, Großzügigkeit ist Verschwendung. Der Frühling ist ein gewaltiges Fest der Verschwendung. Die Natur, ja der ganze Kosmos huldigt der Verschwendung mit Sonnenstrahlen und Nachwuchs, Blütenmeeren und Sternexplosionen. „Verschwendung“ ist ein Synonym für „Leben“.

Im Jahr 2022 wurden weltweit 98 Milliarden Tonnen Rohstoffe verbraucht. Gleichzeitig produzierte jeder Mensch etwa acht Kilo Elektroschrott und es wurden mehr als eine Milliarde Tonnen Lebensmittel weggeworfen (zur Hälfte in Haushalten). Welche Erdregionen die Zentren der globalen Verschwendung sind, ist sicherlich bekannt.

Hierzulande war der „Erdüberlastungstag“ in diesem Jahr bereits am 3. Mai, Deutschland braucht also drei Planeten für seine Wirtschaftsweise auf Kosten von Natur und Mitmenschen. Verschwendung, Verbrauch und Vernichtung gehören zusammen. „Verschwendung“ ist ein Synonym für „Tod“.

Befreiung statt Verzicht

Was hat das mit den SDGs zu tun, den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung? Bei SDG 8 geht es um „ein dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum“, SDG 12 möchte „nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen“. Das klingt irgendwie schön, aber auch oberflächlich. Schließlich sind Wachstumszwang und Konsumideologie selbst die Wurzel des Problems. Nachhaltigkeitsreformen dienen – so viel Ehrlichkeit muss sein – eher dem guten Gewissen als dem Blick auf die Realität.

Wer sich aber ganz grundsätzlich gegen die realitätsblinde „Reichsreligion“ (Carl Amery) stellt, hat schon verloren. Ökos, die Verzicht und Wachstumsrücknahme predigen, erschaffen zwangsläufig Bilder einer grauen und freudlosen Zukunft voller Verbotsschilder. Schlauer wäre es, die lebensbejahende Verschwendung von der lebensvernichtenden Verschwendung abzukoppeln.

Die konsumantreibende Werbeindustrie lebt auf Kosten des menschlichen Drangs zu lieben und zu begehren. Der vertikal verlaufende Wachstumszwang zehrt horizontal verlaufende Produktions- und Verbrauchskreisläufe aus. Sie loszuwerden hat wenig mit Verzicht, aber viel mit Befreiung zu tun. Hat jemand was gegen Freiheit?