Die „Flusslandschaft des Jahres“ wird nicht jedes Jahr, sondern immer für zwei Jahre gekürt und von den Naturfreunden Deutschlands und dem Deutschen Angelfischerverband bekanntgegeben. Dieses Jahr ist es die Murg in Baden-Württemberg. Mit der Auszeichnung werden Renaturierungserfolge, Fortschritte bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie die Entwicklung des sanften Tourismus im Murgtal gewürdigt.

Die Murg ist ein rechter Nebenfluss des Rheins, der im Schwarzwald entspringt und in der Nähe von Rastatt mündet. Auf ihrem Weg nimmt die Murg ganz unterschiedliche Charakterzüge an: Die beiden größten Quellbäche entspringen in den Wäldern des Nordschwarzwaldes und vereinigen sich dann in einem breiten Wiesental. Anschließend folgt der Fluss einer engen Waldschlucht, in der er an einen alpinen Wildfluss erinnert. Im mittleren und unteren Murgtal strömt die Murg wieder deutlich sanfter, wird vielerorts von Gewerbekanälen begleitet und führt zuletzt als begradigter Flusskanal bis zur künstlich verlegten Mündung in den Rhein. Insgesamt hat die Murg ein Einzugsgebiet von 617 Quadratkilometern – zwei Drittel der Fläche Berlins – und überwindet mehr als 800 Höhenmeter.

Probleme für Fische 

Die jüngere Geschichte der Murg wurde stark durch die Industrialisierung geprägt. Dadurch verkam der Fluss zur Ablaufrinne für Industrieabwässer, wurde gestaut und im Unterlauf in ein starres Bett gezwängt. Vor 150 Jahren war die Murg noch das bedeutendste Lachsgewässer in Baden, doch infolgedessen ging der Fischreichtum deutlich zurück und der Atlantische Lachs verschwand gänzlich.

Er ist wieder da 

Mit zahlreichen Renaturierungsmaßnahmen wurde versucht, den Fischbestand wieder zu seinem Normal zurückzubringen – nicht nur, um den Fischen zu helfen, sondern auch, um das Gewässer im Allgemeinen wieder in einen besseren Zustand zu versetzen. Viele Wehre und Kleinwasserkraftanlagen wurden für Wanderfische leichter passierbar gemacht, Gewässerstrukturen verbessert, Auenbereiche reaktiviert und Mindestwassermengen wasserrechtlich festgelegt. Parallel dazu wurde die Gewässerbelastung durch moderne Abwasserbehandlung und die Verminderung des Wärmeeintrags deutlich reduziert. Besonders im Unterlauf wurde das Flussbett strukturreicher gestaltet, unter anderem wurden Flussinseln angelegt, Deiche zurückgebaut und Überflutungsbereiche geschaffen.­­­­­­­­­­­ Zudem wurden im Rahmen von Wiederansiedlungsprogrammen mehrere hunderttausend Lachsbrütlinge ausgesetzt.

Durch die vorgenommenen Maßnahmen konnten sich sowohl die Wasserqualität und die Gewässerstruktur als auch der Fischreichtum in der Murg in den letzten 20 bis 30 Jahren deutlich verbessern. Fischbestände wie vor der Industrialisierung sind zwar noch nicht erreicht, doch im Jahr 2024 wurden wieder 30 Fischarten in der Murg nachgewiesen. Auch der Lachs kehrt mittlerweile wieder regelmäßig in die Murg zurück – ein wichtiger Indikator für die Durchgängigkeit des Flusses.

Ein gutes Reiseziel

Die Murg bei der Stadt Gernsbach.

Die Murg im Städtchen Gernsbach
Foto: Max Günter/Baiersbronn Touristik

Nicht nur um Aufmerksamkeit für die Flusslandschaft des Jahres zu gewinnen, laden Naturfreunde und Angelfischerverband dazu ein, ins Murgtal zu reisen. Zum einen kann man dort Wanderungen unternehmen. Die Naturfreunde empfehlen dazu die „Natura Trails“. Diese besonderen Routen sollen für die Schönheit der Natur „vor der Haustür“ sensibilisieren. Die drei Natura Trails, die es hier gibt, führen durch das Schutzgebiet „Unteres Murgtal und Seitentäler“.

Hinzu kommen weitere Wanderwege, zum Beispiel die Murgleiter auf über 100 Kilometern beiderseits des Flusses. Auch kann man dem gesamten Flussverlauf auf dem Murgtalwanderweg folgen. Die Geschichte des Murgtals, der Murg und der Lachse erzählt der Lachserlebnispfad zwischen Baiersbronn und Rastatt. Außerdem kann man Spaziergänge auf den renaturierten Murgauen bei Rastatt machen.

Zusätzlich lassen sich Radtouren unternehmen. Dafür bietet sich die Tour de Murg an, ein 67 Kilometer langer, familienfreundlicher Radwanderweg. Er beginnt in Freudenstadt und begleitet den Fluss dann ab Baiersbronn flussabwärts bis Rastatt. Parallel zum Radweg fährt die Murgtalbahn, die in die Rad- und Wandertouren integriert werden kann.

Auch kann, wenn der Wasserstand hoch genug ist, die Murg mit Kajaks befahren werden. Das Flussbett ist breit und wird von großen Felsen geprägt.

Zwölf Naturfreundehäuser 

Die Naturfreunde Deutschlands und der Deutsche Angelfischerverband haben für die Flusslandschaft-Jahre 2026 und 2027 zahlreiche Veranstaltungen geplant. So möchten sie naturnahe Umweltbildung und gewässerökologische Seminare durchführen, öffentlichkeitswirksame Naturschutz-Aktionen organisieren und viele öffentliche Wanderungen, Kanu- und Radtouren anbieten. Dafür werden zwölf Naturfreundehäuser bereitgestellt, als Basis für Exkursionen, Seminare und naturnahe Kurzurlaube.

Alles im allem ist die Murg eine interessante Flusslandschaft, die einen Besuch wert ist.