In unserer Serie über die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele, die SDGs, geht es diesmal um Ziel 14 und Ziel 15 – Leben unter Wasser und Leben an Land. Die Nachrichten, die einem hier einfallen, sind wahrscheinlich keine schönen: einsam verhungernde Eisbären, in Netzen verendende Haie, brennende Ökosysteme und eine Bierflasche am tiefsten Punkt der Erde im Marianengraben, ganz unten im Westpazifik. Die Wissenschaft geht davon aus, dass das Leben von einer Million Tier- und Pflanzenarten bedroht ist.

Noch schlechter, das sechste große Massenaussterben hat bereits begonnen. Die Geschwindigkeit lässt das letzte derartige Ereignis vor 66 Millionen Jahren – Stichwort Dinosaurier – alt aussehen: Auch wenn es mit einem Knall begann, zog sich das fünfte Massenaussterben über mehrere hunderttausend Jahre hin. Schneller gings beim größten Aussterben vor 252 Millionen Jahren, das nur geschätzte 60.000 Jahre dauerte. Geologisch gesehen praktisch über Nacht!

Leben und Überleben 

Dass es noch schneller geht, stellt nun leider der Mensch unter Beweis. Klimawandel, Umweltverschmutzung, Artensterben – alles auf Kosten des Lebens. Die UN-Ziele 14 und 15 sollen das Leben schützen und den Menschen helfen, die Natur nachhaltig zu nutzen. Doch Natur und Mensch stehen immer wieder im Konflikt.

Auch im Meer: Obwohl es für viele Fische und andere aquatische Arten Fangquoten gibt, sind sie teilweise zu hoch – und viele Fangbetriebe sind kreativ, wenn es um Schlupflöcher geht. Illegale Überfischung ist noch immer weit verbreitet. Auch die Versauerung der Ozeane schreitet weiter voran, zusammen mit der Verschmutzung durch Ölkatastrophen und aus Flüssen, die Giftstoffe und Stickstoff ins Meer tragen.

Aquakultur, aber nachhaltig

Ein Unterziel von Ziel 14 sind Aquakulturen. Die Tierhaltung im Wasser gilt als Chance im Kampf gegen die Überfischung und beim Schutz der Ökosysteme. Einerseits sind Aquakulturen heute ein wichtiger Bestandteil einer sicheren Ernährung, sie sind Lebensgrundlage und Wirtschaftsfaktor für viele Menschen. Ein Vorteil ist, dass Fische in Massenhaltung einen deutlich kleineren vergleichbaren Futterbedarf als Hühner, Schweine oder Rinder haben. Andererseits kommen genauso viele Gifte und problematische Zusatzstoffe zum Einsatz, denn in der engen Aquakultur breiten sich Krankheiten und Schädlinge schnell aus.

Im flachen Wasser vor einem Mangrovenwald an der Küste ist eine Fläche von der Größe eines Lastzuges mit Netzen für Aquakultur abgesteckt.

Aquakultur neben einem Mangrovenwald in Senegal

Foto: Demba Welle/​Wikimedia Commons

Bekannt sind diverse Horrorstorys: Lachse in viel zu kleinen Becken, die von Lachsläusen befallen sind. Garnelen, denen die Stielaugen abgeschnitten werden, damit die Eiproduktion angeregt wird. Austern, die Antibiotika und andere Chemikalien in sich tragen, die auch ins Meer gelangen können. Denn Aquakulturen gibt es sowohl mit geschlossenem Kreislauf als auch in Durchflussanlagen. Teilweise werden die Becken sogar direkt ins Meer gesetzt.

Für das Anlegen von Aquakulturen müssen zum Teil wertvolle Lebensräume weichen – zum Beispiel Mangroven wie in Ghana, Thailand oder Vietnam. Intakte Mangroven sind Kinderstube für viele Tierarten, CO₂-Senke und Küstenschutz in einem. Im Mekong-Delta gibt es Versuche mit nachhaltiger Aquakultur, die Mangroven einbezieht. Hier zeigt sich, dass von einer gut gemachten Aquakultur in intakten Mangrovengürteln Menschen und Natur profitieren können. Dazu braucht es allerdings Küstenbereiche, die stabil sind oder in denen sich die Küstenlinie durch Ablagerungen langsam seewärts verlagert.

Wald ist nicht gleich Wald

Der Erhalt der Ökosysteme ist für das Leben an Land genauso existenziell wie im Wasser. Aktuell sieht es auch beim Ziel 15 nicht gut aus: Naturwälder schwinden weiter, Bodenverlust und Wüstenbildung schreiten voran und der Schutz von besonders artenreichen Gebieten stagniert. An Land sehen wir das viel deutlicher als im Meer: Wüste, wo früher ein riesiger See war, eine Stadt anstelle eines Meeres oder umgekehrt, endlose Felder, wo einst Regenwald wuchs.

Auf einer Waldlichtung stehen viele Baumsetzlinge in kleinen Pflanztüten.

Aufforstung in der Stadt Natitingou in Benin

Foto: Yaovi Marius Vito/​Wikimedia Commons

In Afrika, wie auch in einigen anderen Regionen, gibt es große Aufforstungsprogramme. Bisher konzentriert sich die Wiederaufforstung allerdings nur zu einem Drittel auf Gebiete, in denen der bestehende Wald bedroht ist oder zerstört wurde – also dort, wo diese Aktion Sinn ergibt. Die meiste Aufforstung findet auf offenem, „wildem“ Weideland statt, wo eigentlich gar kein Wald wächst – auf Flächen, die oft trocken, steinig und steil sind. Die Aufforstung ist für die hier lebenden Menschen sogar häufig von Nachteil, da ihnen teilweise Land und Ressourcen wie Wasser direkt oder indirekt weggenommen werden.

Bei den angepflanzten Bäumen handelt es sich dann in der Regel um Kiefern- und Eukalyptus-Plantagen. Sie speichern weniger CO₂ als naturnahe Wälder und sogar weniger als traditionelles Weideland mit niedrigen Bäumen. Abgesehen davon sind sie anfällig für Waldbrände und durch die „Verdunkelung“ der Fläche erhitzt sich die Umgebung, was die Erfolge der Aufforstung wieder zunichtemachen kann.

Das Gegenstück, die Abholzung, findet dafür ungebremst statt. Die meisten Waldbäume werden nach wie vor im Amazonas-Regenwald abgeholzt, für Felder, Rinderweiden oder Großprojekte. Dabei ist Abholzung keine Erfindung der Neuzeit. Menschen haben schon vor mehreren tausend Jahren angefangen, Wälder zu roden. Schottland war einst genauso mit Wald bedeckt wie Zypern. Doch die Menschen brauchten Platz für Felder, Bauholz für Gebäude, Bergbau und Schiffe oder Brennholz zur Metallverhüttung.

Daran hat sich bis heute nicht so viel geändert. Menschen beanspruchen neue Flächen und Ökosysteme müssen weichen, auch wenn dabei wertvolle Biotope und viele Arten unter die Räder kommen und der Klimawandel weiter vorangetrieben wird.

Am Ende bleibt zu sagen: Wir selbst sind das Problem – unsere Sicht auf die Welt, unsere Lebensweise, unser Egoismus. Oder jedenfalls die „Zivilisation“ mit all ihren Vorteilen, die manche von uns genießen können, während sie anderen vorenthalten werden, und mit ihren Abgründen. Wenn wir das Problem sind, dann könnten wir doch auch die Lösung sein, oder?