Vielen Menschen wird das Medikament Penicillin ein Begriff sein. Es entsteht aus dem Schimmelpilz Penicillium, welcher eine fädige Struktur mit charakteristischen Sporen bildet, die aussehen wie kleine Pinsel – weswegen Penicillium-Arten auch als Pinselschimmel bezeichnet werden. Penicillin wirkt, indem es die Zellwandsynthese von Bakterien stört, wodurch diese nicht mehr wachsen und sich vermehren können. Dadurch ist Penicillin antibakteriell. Es wurde 1941 erstmals gegen Infektionen angewendet.
Heutzutage ist Penicillin das am häufigsten eingesetzte Antibiotikum, jährlich werden etwa 50.000 Tonnen weltweit hergestellt. Wie bei jedem Antibiotikum können krankheitserregende Bakterien auch gegen Penicillin eine Resistenz entwickeln, wodurch sie viel schwerer vom Körper bekämpft werden können, weshalb eine übermäßige Anwendung unbedingt zu vermeiden ist.
Penicillin ist nicht das einzige Medikament, das aus Penicillium hergestellt wird, auch die Mycophenolsäure gehört dazu. Diese wird heute als Immunsuppressivum bei Transplantationen und Autoimmunerkrankungen eingesetzt, da sie gezielt die Vermehrung von Lymphozyten hemmt. Auch dieses Antibiotikum muss mit großer Umsicht verwendet werden.
Käsiger Geschmack
Dabei ist Penicillium nicht nur in der Medizin zu finden. Verwendet wird es ebenso bei der Herstellung von Schimmelkäsesorten wie zum Beispiel Brie oder Camembert. Deren Rinde besteht vorwiegend aus Penicillium camemberti, welches für die weiche und buttrige Konsistenz verantwortlich ist. Penicillium roqueforti wird für die Produktion von Blauschimmelkäsesorten benutzt. Es produziert Enzyme, die Milchkasein spalten und flüchtige Verbindungen bilden, die dem Käse Geschmack, Aroma und den typischen Biss verleihen und vor unerwünschten Kontaminationen schützen.
Bestimmte Penicillium-Arten erzeugen zudem Enzyme, die während der Fermentation direkt in das Kulturmedium gelangen. Dies wird beispielsweise in der Lebensmittelindustrie zur Klärung von Fruchtsäften und in der Textilindustrie zur Vorbehandlung von Geweben genutzt. Auch kann Penicillium als Mittel gegen Schadinsekten wie Blattläuse und Weiße Fliegen verwendet werden, allerdings ist es sehr giftig für Wasserorganismen, weshalb man eher auf umweltfreundliche Alternativen setzen sollte.
Penicillium ist ein besonderer Schimmelpilz, der nicht nur in der Medizin Verwendung findet, und hat seine Auszeichnung als Mikrobe des Jahres 2026 verdient.
