Huch, was ist denn das für ein pinker Hüpfer? Wir kennen Heuschrecken vor allem in Grün- und Brauntönen, aber ab und zu trifft man auf leuchtend pinkfarbene Individuen. Bei diesem Phänomen handelt es sich um Erythrismus, ausgelöst durch eine Genmutation, die dafür sorgt, dass statt dunkler Pigmente vermehrt rote gebildet werden.
Evolutionär gesehen ist das ein Nachteil, da so auffällig gefärbten Tieren die Tarnung fehlt und sie leichter zur Beute von Fressfeinden werden. Außerdem müssen beide Elterntiere die Genmutation in sich tragen, um sie an ihren Nachwuchs zu vererben. Solche auffällig gefärbten Heuschrecken sind also durchaus selten – aber nicht so selten, wie es in den Medien oft dargestellt wird, wenn es eine Beobachtung an die Öffentlichkeit schafft.
Wenig beachtet, aber wichtig
Abgesehen von diesen besonders gefärbten Exemplaren erhalten Heuschrecken wenig Aufmerksamkeit. Dabei geben sie als Indikatoren Aufschluss über den Zustand von Lebensräumen oder Umweltveränderungen. Mit 83 in Deutschland heimischen Arten sind sie, anders als viele andere Artengruppen, überschaubar und größtenteils gut direkt im Feld zu bestimmen. Damit bieten sie einen guten Einstieg für alle, die sich näher mit Insekten beschäftigen wollen.
Während die Sumpfschrecke, die die Heuschrecken im Summ-sala-blüh-Domino vertritt, feuchtere Lebensräume bevorzugt, mögen es die meisten Arten eher warm und trocken. Die Blauflügelige Ödlandschrecke trägt diese Vorliebe bereits im Namen und lebt vor allem auf Trockenrasen oder in ähnlichen Lebensräumen mit spärlicher Vegetation. Lange stand sie in Deutschland auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten und war dank der sandigen Böden vor allem in Berlin und Brandenburg noch häufig anzutreffen.
Mittlerweile ist die Art aber auch im übrigen Deutschland wieder häufiger und gilt nicht mehr als gefährdet, da sie an Hitze und Trockenheit bestens angepasst ist und somit vom Klimawandel profitiert. Ob dieser Trend anhält, hängt aber auch von der Verfügbarkeit geeigneter Lebensräume ab. Eine bunte Überraschung hält diese ansonsten perfekt getarnte Heuschrecke auch bereit. Beim Auffliegen werden ihre leuchtend blauen Hinterflügel sichtbar, was viele Menschen erst einmal an einen Schmetterling denken lässt.
Endlich da: Heuschreckenatlas
Mit dem 2025 im Ulmer Verlag erschienenen „Verbreitungsatlas der Heuschrecken und Fangschrecken Deutschlands“ von Thomas Fartmann und Dominik Poniatowski liegt nun ein aktuelles und umfangreiches Werk zum Verbreitungs- und Erhaltungsstatus aller 83 heimischen Heuschreckenarten vor und liefert einen Überblick über die Bestandsentwicklung der verschiedenen Arten in den letzten Jahrzehnten.
Durch Klimawandel, Landnutzungsänderungen und Lebensraumverlust gab es teils dramatische Veränderungen – nicht immer positiv wie im Fall der Blauflügeligen Ödlandschrecke. Umso wichtiger sind die in diesem Buch zusammengefassten Daten für den Naturschutz.
Gewinner und Verlierer im Klimawandel
Eine weitere Profiteurin des Klimawandels ist die Europäische Gottesanbeterin, die einzige in Mitteleuropa vorkommende Fangschrecke und Insekt des Jahres 2017. Sie hat sich in den letzten Jahren so stark in den Norden ausgebreitet, dass sie selbst in Berlin mittlerweile regelmäßig angetroffen wird. Auch im Foto-Wettbewerb „Summ sala blüh!“ wurden einige Gottesanbeterinnen eingereicht.
Das Insekt des Jahres 2026 ist übrigens eine Heuschrecke: der Warzenbeißer, eine der größten Heuschrecken Deutschlands. Seinen Namen verdankt er seinen kräftigen Beißwerkzeugen. Früher ließ man sie absichtlich in Warzen beißen, in der Hoffnung, dass diese dadurch ausheilen. Heute muss man schon etwas Glück haben, dem Warzenbeißer überhaupt zu begegnen. Er gilt in Deutschland als gefährdet und seine Bestände nehmen weiterhin ab, weil seine Lebensräume mehr und mehr verschwinden.
Kostenlose Führungen und Angebot für Lehrkräfte
Wer Heuschrecken und anderen Krabbeltierchen in ihren Lebensräumen begegnen möchte und mehr über die Berliner Stadtnatur erfahren will, kann mit „Summ sala blüh!“ auf Entdeckungstour gehen. Die kostenlosen Führungen richten sich an alle Interessierten mit oder ohne Vorkenntnisse.
Noch bis Ende des Jahres werden auf Anfrage außerdem Schulungen für Lehrkräfte und Multiplikator*innen zur Nutzung des Ausleihsets und Einbindung in den Unterricht oder Gestaltung von Wander- und Projekttagen angeboten.
Das Projekt „Summ sala blüh!“ der Grünen Liga Berlin wird von der Senatsumweltverwaltung gefördert und läuft noch bis Ende 2026.
