Er ist ein Überlebenskünstler, oft übersehen, als „Unkraut“ verkannt oder einfach unterschätzt. Der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare) ist keine seltene Pflanze und nicht auf unseren Schutz angewiesen. Unser Stadtklima verträgt er problemlos, zunehmende Trockenheit und selbst belastete Böden machen ihm nichts aus. Ab Juni sind seine blauen Blüten an fast jedem Berliner Straßenrand und jeder Brachfläche zu sehen, sofern es dort sonnig genug ist. Mehr Aufmerksamkeit hat er trotzdem verdient. Die bekommt er vor allem von Insekten, die im wahrsten Sinne des Wortes auf ihn fliegen.
Der Naturgarten e.V. hat ihn zur Wildpflanze des Jahres 2026 gewählt, in einer Abstimmung unter dem Motto „Käferliebling“. Denn eines der Insekten, die auf den Natternkopf angewiesen sind, ist der Blauglänzende Natternkopf-Erdfloh, ein als gefährdet eingestufter kleiner Käfer. Die Natternkopf-Mauerbiene sammelt ausschließlich seine Pollen und kann ohne den Natternkopf ebenfalls nicht überleben. Neben diesen Spezialisten besuchen zahlreiche Schmetterlinge, Schwebfliegen und andere Wildbienen, zu denen auch die Hummeln gehören, die Blüten und profitieren vom reichlichen und besonders zuckerhaltigen Nektarangebot. An einem warmen Nachmittag lässt sich an einem blühenden Natternkopf reger Flugbetrieb beobachten.
Erst rosa, dann blau
Ihr typisches Blau erhalten die Blüten erst nach dem Insektenbesuch. Anfangs sind sie rosa und ändern ihre Farbe nach der Bestäubung durch eine Veränderung des pH-Werts. Den Bestäubern wird so signalisiert, ob noch Nektar vorhanden ist, und die Pflanze schützt sich vor Selbstbestäubung, da männliche und weibliche Blütenbestandteile nicht gleichzeitig reif werden. Seinen Namen hat der Natternkopf von den Staubblättern, die aus dem Blütenkelch herausragen und an eine Schlangenzunge erinnern.
Solche und andere interessante und unterhaltsame Fakten zu den Pflanzen vor unseren Füßen erfahren auch die Teilnehmer*innen an den Führungen im Projekt „Summ sala blüh“, zum Beispiel beim Kiezspaziergang durch den Prenzlauer Berg, im Grunewald oder an den Karower Teichen. Aller Voraussicht nach werden auch 2026 weitere kostenlose Führungen für alle Interessierten sowie individuelle Termine für Schulklassen angeboten.
Das Projekt „Summ sala blüh!“ wird von der Senatsumweltverwaltung gefördert.
