Neunhundertfünfunddreißig. Das ist die Zahl der Tier- und Pflanzenarten, die die Rote Liste aktuell als ausgestorben angibt. Vor 15 Jahren waren es fast hundert weniger. Nicht mitgezählt werden dabei Arten, die vor Millionen Jahren gelebt haben, wie der Riesenhai Megalodon, auch nicht jene am Ende der letzten Eiszeit, wie das Riesenfaultier oder der Säbelzahntiger. „Ausgestorben“ meint hier Arten, zu deren Verschwinden der Mensch seit dem Jahr 1500 unserer Zeitrechnung direkt oder indirekt beigetragen hat.
Der Dodo und der Spatz
Zum Beispiel der Dodo: Kaum war er auf der Insel Mauritius entdeckt, dokumentiert und für nicht schmackhaft befunden worden, kämpfte er auch schon ums Überleben. Die Seeleute mochten ihn vielleicht nicht auf dem Teller – die Schweine, Katzen und Ratten, die sie auf ihren Schiffen mitbrachten, aber schon. Sie freuten sich über den reich gedeckten Tisch, den ihnen das Paradies im Indischen Ozean bot. Denn Dodos brüteten auf dem Boden. Warum auch nicht, es gab ja auf der Insel keine Räuber und Eierdiebe, bevor europäische Ignoranten diese Rolle einnahmen.
Menschliche Selbstüberschätzung gab es leider auch auf anderen Kontinenten. China versuchte ab 1958 mit seiner „Vier Plagen“-Kampagne unter Mao sogar, vier Tierarten gezielt auszurotten: Spatzen, Ratten, Fliegen und Moskitos. Damit wollte man Krankheiten verhindern und die landwirtschaftlichen Erträge steigern. Ausgerechnet der Spatz, vor allem der Feldsperling, war dabei der größte Dorn im Auge. Die Folge waren Hungersnöte, Insektenplagen und vermutlich bis zu 45 Millionen Tote. Bis heute sind Sperlinge selten in China.
Rettung um jeden Preis?
Für den Erhalt einer Art spielen mehrere Faktoren eine Rolle: genetische Vielfalt, Population, Ökosystemzustand und natürlich der Schutz vor Bedrohungen wie Lebensraumzerstörung, Umweltverschmutzung oder Klimawandel. Entsprechend teuer sind die Schutzmaßnahmen.
Eine Schlüsselart für die Savanne Zentral- und Ostafrikas ist das Nördliche Breitmaulnashorn. Diese Art gilt als „funktional ausgestorben“, weil es nur noch zwei verwandte weibliche Tiere gibt. Hier stellt sich die Frage, ob das Geld, das in den Erhalt und den Versuch einer Wiederbelebung der Art gesteckt wird, nicht besser bei noch zu rettenden Arten wie dem Südlichen Breitmaulnashorn aufgehoben wäre.
Sympathieträger wie der Große Panda bekommen einer Studie zufolge mehr Geld für Schutz und Erhaltung. Das kommt allerdings nicht nur dem Panda zugute, sondern auch seinem natürlichen Lebensraum und damit allen anderen Arten, die dort ebenfalls leben und von Habitatverlust bedroht sind. Bei der Frage, wann Artenrettung sinnvoll ist, lohnt sich also auch ein Blick über die Art hinaus.
Vorbeugen ist besser
Noch ein ganz anderes Dilemma hält die Wiederbelebung ausgestorbener Tiere bereit – abgesehen vom Problem der DNA-Gewinnung und der fehlenden genetische Vielfalt und der Tatsache, dass es sich bei den erschaffenen Tieren nicht wirklich um die ausgestorbene Art handelt.
Zwar rückt die Wiederbelebung des Beutelwolfs in greifbare Nähe und er könnte womöglich auch wieder in seine Heimat in Australien eingeführt werden. Sein Ökosystem ist noch vorhanden und in seiner Funktion als Spitzenräuber könnte er dort das ursprüngliche System wiederherstellen. Anders sieht es jedoch bei länger ausgestorbenen Tieren aus, deren Lebensraum sich seitdem verändert hat, wobei sich neue ökologische Gleichgewichte gebildet haben.
Nicht zuletzt täuscht die biotechnologische Rettung einzelner, sehr weniger Tierarten darüber hinweg, dass es viel wichtiger ist, die noch vorhandenen Arten und Ökosysteme wirksam zu schützen.
Suchsel
Im Rätsel verstecken sich in den letzten 500 Jahren ausgestorbene Tiere. Zur Hilfe gibts hier eine alphabetische Liste der wissenschaftlichen Namen der Tiere. Im Rätsel verstecken sie sich allerdings mit ihren Trivialnamen. Besteht ein Name aus zwei oder mehr Wörtern, wurde das Leerzeichen weggelassen.
- Achatinella buddii
- Barbodes truncatulus
- Bos primigenius
- Chelonoidis niger abingdonii
- Ectopistes migratorius
- Equus quagga quagga
- Hydrodamalis gigas
- Hydropsyche tobiasi
- Incilius periglenes
- Pinguinus impennis
- Psephurus gladius
- Raphus cucullatus
- Thylacinus cynocephalus
