Das Land Berlin könnte verpflichtet sein, auf eine Rücknahme des Antrags für das geplante Holzheizkraftwerk am Standort Reuter West hinzuwirken. Zu diesem Ergebnis kommt ein juristisches Kurzgutachten im Auftrag der Umweltverbände NABU, Biofuelwatch, Robin Wood, DUH und BUND Berlin. Es wurde im Januar im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung von einem breiten Bündnis vorgelegt, zu dem auch die in der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) organisierten Verbände gehören.
Vor allem die Einstufung der Holzverbrennung als „CO₂-freie“ Wärme – wie in Berlin für die künftige Fernwärme gesetzlich vorgeschrieben – ist laut dem Gutachten aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar. Den angenommenen positiven Klimaeffekt gebe es nicht.
Druck auf Wälder und Recycling
Das geplante Holzheizkraftwerk in Berlin-Siemensstadt wäre eines der größten in Deutschland. Pro Jahr sollen 250.000 Tonnen Frischholz oder 130.000 Tonnen trockeneres, leichteres Altholz verbrannt werden. Das würde große Mengen CO₂ aus dem Holz freisetzen, die bei einer stofflichen Verwendung als Baumaterial oder Werkstoff weiter gebunden bleiben könnten. Die Wälder würden durch die Holzverbrennung weiter unter Druck geraten, warnen die Umweltverbände: „Zum Vergleich: Eine Waldfläche von der Größe des Berliner Tiergartens würde im geplanten Kraftwerk in nur ein bis zwei Monaten komplett verheizt.“
„Der Berliner Senat muss die Planungen jetzt stoppen“, forderte Jana Ballenthien von Robin Wood. Das Altholz-Recycling im Großraum Berlin werde durch die starke Nachfrage unterlaufen, wenn der wertvolle Rohstoff stattdessen verheizt wird. „Das ist das Gegenteil von Klimaschutz.“
Das landeseigene Energieunternehmen BEW und der Senat sollten den Antrag zurückziehen, sagte Eric Häublein vom NABU. „Statt knapp 250 Millionen Euro in eine veraltete, klimaschädliche Verbrennungstechnologie zu investieren, sollte das Geld für zukunftsfähige Fernwärme ausgegeben werden.“ So sei bei der Geothermie durchaus mit guten Potenzialen im Berliner Westen zu rechnen.
