Naturschutzgebiete müssen gepflegt werden, Wege darin müssen gut begehbar sein, abgestorbene Bäume müssen gesichert werden, denn: Die Besucher und Bürger schützen und schätzen nur dort etwas, wo sie sich sicher und wohl fühlen, zuhause und heimisch. Deshalb soll der ehemalige Berliner Grenzweg als „Grünes Band Berlin“ schrittweise saniert werden. Grundlage dafür ist ein Beschluss des Berliner Senats und der zuständigen Fachbehörde SenMVKU III C (Freiraumplanung und Stadtgrün) von 2019: „Ertüchtigung Berliner Mauerweg“. Die Realisierung liegt in Händen der Grün Berlin GmbH.

Nun stehen gerade im Naturschutzgebiet „Niedermoorwiesen am Tegeler Fließ“, besser bekannt als Köppchensee, unmittelbar am Wegrand zahlreiche Bäume. Sie sind oft kurz nach dem Mauerfall 1989 emporgewachsen und gehören ebenso zur Charakteristik des Grenzweges wie der Beton- und Asphaltweg selbst.

Naturferne Sauberkeitsideologie

Müssen diese Bäume nun fast alle gefällt werden? So erging es im Februar drei starken, etwa 35 Jahre alten Bäumen. Sie standen nahe beim Köppchensee – Eiche, Wildapfelbaum und Birke. Man muss doch diese Bäume gerade deshalb erhalten, weil sie 40 Jahre Grenze überwunden haben. Dafür hatte ich mich vor einem Jahr an dieser Stelle eingesetzt (Rabe Ralf Juni 2025, S. 5). Besonders die Eiche hatte eine Diktatur und ein brutales Grenzregime überwuchert. Und man hätte eigentlich ganz gelassen den geschützten Mauerstreifen, ein Relikt des Kalten Krieges von 1961 bis 1989, um 50 Zentimeter nach Ost oder nach West verschieben können, um diese Bäume zu erhalten. Oder man hätte daneben eine befestigte Sandspur anlegen können, wie sie für die Feuerwehr üblich ist.

Vielleicht können wenigstens die nächsten Bäume geschützt werden. Man muss auch nicht heute einplanen, ob einer der Bäume in 50 Jahren die Hälfte des Weges einnehmen wird. Es ist eine unverständliche Gedankenlosigkeit und sträfliche Naturfeindlichkeit, diese Randbäume am Mauerweg einer naturfernen Sauberkeitsideologie zu opfern, nur weil sie nicht zum betonierten Grenzweg gehören oder der Weg nicht von Feuerwehrfahrzeugen befahren werden kann oder Radfahrer an einem Riss im Asphalt langsamer fahren müssen. Es wäre natürlich besonders nett, wenn man mich als ehrenamtlichen Naturschutzwächter seit 1989 und besten Kenner des Gebietes mal konsultieren würde.