Die „Initiative Baumentscheid“ freut sich, dass inmitten von Sparhaushalten, kaputtgesparten Verwaltungen, Schuldenbremse, steigenden Lebenshaltungskosten, heruntergekommenen Infrastrukturen, fehlenden Wohnungen und teuren innerstädtischen Kriegsvorbereitungen ihr ambitionierter Baumentscheid zum Gesetz gemacht wurde. Nicht nur CDU und SPD, auch Grüne und Linke stimmten zu. Die Initiative musste zwar bei den Verhandlungen mit den Regierungsparteien Federn lassen und ihr wurde einiger Wind aus den Segeln genommen. Doch nun können sich CDU und SPD im kommenden Wahlkampf mit einem populären Thema schmücken.
Das von der Initiative „BäumePlus-Gesetz“ genannte Werk heißt nun offiziell „Klimaanpassungsgesetz“. Doch die Nagelprobe der Umsetzung bis 2040 steht noch aus. Das ist eine lange Zeit mit mehreren Legislaturperioden und möglichen Regierungswechseln. Da sind Verwässerungen des Gesetzes und Umsetzungsmängel immer möglich. Zudem gibt es einige Haken, Ösen und Fallstricke. Beispielsweise darf man gespannt sein, wie die Kosten in Höhe von mindestens 3,2 Milliarden Euro in den kommenden Haushalten verankert werden, ob wirklich dafür das Geld aus den Infrastrukturmilliarden verwendet werden kann und was an Fördermitteln einzuwerben ist.
Hoher Pflegeaufwand
Vor allem aber bleibt die Frage, wie sich die Umsetzung im Verwaltungsdickicht und Vorschriftengestrüpp der Bezirksverwaltungen gestaltet, die bislang oft mit ausgedünntem Personalbestand operieren müssen. So waren die Grünflächenämter schon bisher nicht in der Lage, den vorhandenen Baumbestand und die Grünflächen ausreichend zu erhalten und zu pflegen (Rabe Ralf August 2025, S. 3). Deshalb muss hier als Erstes endlich ein handlungsfähiger Personalbestand mit entsprechender technischer Ausrüstung zur Bewässerung aufgebaut werden.
Die Initiative hat sich die ursprünglich festgemachten Kosten von 7,5 Milliarden Euro auf 3,2 Milliarden für die Baumanschaffungen in einem schlechten Deal herunterhandeln lassen. Vor allem viele teure junge Bäume sollen durch naturbasierte Pflanz- und Aufwuchsverfahren ersetzt werden – in Form von Saatgut, Setzlingen oder Wurzelsprossen. Das ist sehr pflege- und kostenaufwendig, dürfte in vielen Fällen schiefgehen und am Ende kaum zu mehr Bäumen führen.
Außerdem ist die Pflanzliste der Gartenamtsleiterkonferenz nicht vom Tisch, die vor allem wetterharte und pflegeleichte Bäume im Blick hat, welche aber wenig Schatten und Kühle in der Sommerhitze spenden. Und da die Regenwassernutzung für Bewässerungszwecke nicht so schnell möglich sein wird, sollte statt teurem Trinkwasser kostengünstigeres Brauchwasser aus den Brunnen der BSR mitgenutzt werden. Kurzum, für den klimafesten Umbau der Stadt wird man ständig am Ball bleiben müssen, mit wachem Blick und Durchsetzungswillen.
Der Autor ist Biologe und Mitglied der Naturfreunde Berlin
