Seit mehr als 30 Jahren versuchen Berliner Senate, der Stadt die olympischen Wettkämpfe aufzudrängen. Doch allem Hurra-Olympismus der jeweiligen Bewerbungskonzepte zum Trotz blieb den Berliner*innen der olympische Elitenkult bislang ziemlich schnurzpiepe. Das ist bei der diesjährigen Kampagne für die Spiele von 2036, 2040 oder 2044 nicht anders. Auch in der jüngsten Civey-Umfrage vom 21. Mai sehen weniger als ein Drittel (32 Prozent) die Wettkämpfe „eindeutig“ oder „eher“ als „Chance“.

Hundert Jahre Nazi-Spiele

Geschmacklos wird die jetzige Bewerbung durch den mitanvisierten Termin 2036 – genau 100 Jahre nach den Nazi-Spielen von 1936, die laut dem Politikwissenschaftler und Historiker Peter Reichel einen „stimmungsmäßigen Höhepunkt nationalsozialistischer Herrschaft“ darstellten. Der Gründer des Internationalen Olympische Komitees (IOC), Pierre de Coubertin, formulierte damals in seiner Schlussrede, dass die olympische Idee 1936 ihre Weihe erhalten habe. Allein wegen der propagandistischen Beihilfe für die Hitlerdiktatur wäre eigentlich ein ewiges Betätigungsverbot für das IOC in Berlin angemessen.

Die Aussicht, dass die Wettkämpfe wie einst von einem rechtsextremen Regime durchgeführt werden könnten, macht die Angelegenheit nicht sympathischer. Schon jetzt scheint die Zustimmung für die Olympiabewerbung rechts außen am lautesten zu sein.

Die Stadt verliert, das IOC gewinnt

Abgesehen von solchen Aspekten erschrecken die völlig überzogenen Kosten. Derzeit werden die Ausgaben auf über sechs Milliarden plus x veranschlagt. Dazu kommt, dass die Kosten bei Olympischen Spielen in der Regel auf das Doppelte bis Dreifache steigen. Es geht also um einen zweistelligen Milliardenbetrag. Für eine einzelne 14-tägige Veranstaltung ist das nicht mehr rational erklärbar.

Einen Vorgeschmack auf das Geldverbrennpotenzial von Olympia gibt das innerdeutsche Bewerbungsverfahren. Dessen Kosten haben sich von 500.000 Euro auf sechs Millionen Euro verzwölffacht.

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nolympia.berlin

Dabei steht Berlin mit über 70 Milliarden Euro Schulden vor dem Haushaltskollaps. Der Fehlbetrag wurde durch Kürzungen in anderen Bereichen zusammengestoppelt. Angesichts der jetzigen Sparorgien bei Krankenhäusern, Bildungseinrichtungen und Verkehrsinfrastruktur, bei Umwelt-, Jugend- und Sozialarbeit wirkt dieser Umgang mit Steuergeldern nur zynisch.

Der viel zitierte wirtschaftliche Nutzen von Olympia ist dagegen wissenschaftlich kaum nachweisbar. Berlin muss also wieder „quietschen“, besonders die Jugend Berlins, die die Schulden abstottern darf.

Der Bund – von Olympiafans gerne als großer Spender genannt – hält sich derweil mit konkreten Finanzierungszusagen zurück. Deutschland ist bereits unter den hoch verschuldeten Ländern in der EU.

Während auf Berlin also unabsehbare Verlustmöglichkeiten mit entsprechendem Korruptionspotenzial zukommen, sind die Spiele für das IOC ein Geschäft mit garantiertem Gewinn. Gewinne werden privatisiert, Schulden verstaatlicht. Olympische Spiele sind immer auch ein riesiges Umverteilungsprojekt.

Keine Nachhaltigkeit

Berlin verfehlt bereits jetzt seine Klimaziele und steht vor großen Herausforderungen beim Umwelt- und Klimaschutz. Mega-Events und Nachhaltigkeit sind ein Widerspruch in sich. Das wird nicht besser, wenn der Senat 80-mal das Wort „nachhaltig“ über sein Olympiakonzept streut. So wundert es nicht, dass gerade Umweltverbände das NOlympia-Volksbegehren unterstützen.

Wir denken, dass die Menschen in einem Volksentscheid gefragt werden sollten, ob sie die olympischen Wettkämpfe überhaupt in der Stadt haben wollen. Deshalb rufen wir dazu auf, für das NOlympia-Volksbegehren zu unterschreiben!


Unterschriften sind nur auf Papier möglich. Eine Unterschriftenliste liegt dieser Ausgabe bei. Zum NOlympia-Bündnis gehören die Berliner Landesverbände von Umweltorganisationen wie Naturfreunde, Grüne Liga und BUND, von Parteien wie Grüne und Linke sowie mehrere andere Organisationen.