Bis Anfang September war im Museum Pankow die Wanderausstellung „Den Vogel zeigen“ zu sehen. Sie wurde inhaltlich von der Rabe-Ralf-Redaktion erarbeitet, von der Stiftung Naturschutz Berlin finanziert und von Anna Busdiecker, Sabine Meyer, Christin Ursprung und Leila Tabassomi vom „Kollektiv für Gestaltung“ umgesetzt. Vom 10. bis 21. November wird die Ausstellung in einem Raum beim Umweltministerium am Potsdamer Platz gezeigt. Der Rabe Ralf sprach mit den Gestalterinnen über Ausbeutungsidealismus, knappe Kassen und glückliche Kellerfunde.
Der Rabe Ralf: Hallo ihr vier, könnt ihr euch kurz vorstellen?
Leila Tabassomi: Wir sind Anna, Christin, Leila und Sabine vom Kollektiv für Gestaltung. Wir arbeiten seit über 20 Jahren als Gestalterinnen in Berlin und kennen uns aus unterschiedlichen Kontexten. Sabine und ich haben einige Jahre als Inhouse-Grafikerinnen am Deutschen Theater gearbeitet und davor haben wir an einer Gestaltungsfachschule unterrichtet.
Christin Ursprung: Um unsere Fähigkeiten in ein solidarisches Format zu bringen, haben wir uns letztes Jahr zusammengesetzt und das Kollektiv für Gestaltung gegründet.
Teilweise kennen euch unsere Leserinnen und Leser schon ...
Anna Busdiecker: Ja, Sabine und ich haben das Redesign für eure Zeitung gemacht. Das war dann auch quasi die Grundlage für die Rabe-Ralf-Ausstellung.
Ist das eure erste Ausstellung?
L: Ich arbeite seit vielen Jahren schwerpunktmäßig als Ausstellungsgestalterin. Dabei kann es sich um historische und kulturelle Themenausstellungen handeln, aber auch um Kunstausstellungen. Dieses Jahr habe ich für das Bauhaus in Dessau gearbeitet. In unserer Kollektiv-Konstellation haben wir mit „Den Vogel zeigen“ zum ersten Mal gemeinsam an einer Ausstellung gearbeitet. Das war für uns ein sehr schöner Auftakt.
Wie ihr selbst erfahren durftet, sind der Rabe und die Grüne Liga sehr kleine Organisationen. Wir haben mehr Idealismus als Geld und mehr Ideen als Ressourcen. Kam euch das entgegen oder sind wir jetzt bei euch als naive Ökospinner abgestempelt?
Sabine Meyer: Was du mit Ökospinner meinst, verstehe ich nicht. Was ich im gesellschaftlichen Diskurs und besonders seit der letzten Bundestagswahl wahrnehme, ist, dass Umwelt- und Klimaschutz – Stichwort Klimakollaps – eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Einige Aktivisten nennen das eine gesamtgesellschaftliche Verdrängung.
Umweltschutz ist aber nun mal die generationenübergreifende Menschheitsaufgabe, um diese Welt enkeltauglich zu machen. Es muss viel mehr nachhaltige Kommunikationsstrukturen geben, in denen über sozial-ökologische Themen informiert wird und Themen kontrovers besprochen werden können.
A: Das Redesign des Raben Ralf ist unserer Meinung nach der richtige Schritt: Bestehende Strukturen müssen gestärkt, ausgebaut und mit neuen Elementen und Funktionalitäten ausgestattet werden.
L: Das Kollektiv versteht sich nicht nur intern als solidarischer Zusammenhang, sondern auch in den vielfältigen Beziehungen zu den Projekten, mit denen wir zusammenarbeiten. Uns ist es wichtig, dass wir auf der Grundlage gemeinsam geteilter Werte arbeiten.
S: Du fragst ja auch nach der Ökonomie: Der Idealismus, den wir versuchen zu leben, funktioniert nicht ohne Realismus. Natürlich müssen auch wir unsere völlig überteuerten Mieten bezahlen und leben nicht nur von Luft und Liebe. Und solange wir in diesen kapitalistischen Strukturen leben und arbeiten, finden wir es wichtig, das zu benennen.
Wir sind gegen jede Form von Ausbeutungsverhältnissen, auch unter dem Deckmäntelchen von „Idealismus“ – das wäre nicht nachhaltig. Unser ökonomisches Verständnis ist ein solidarisches: Wir haben eine Kostentabelle, die wir kontinuierlich reflektieren und weiterentwickeln. Jedes Projekt, für das wir arbeiten, zahlt so viel, wie es kann. Die starken Schultern zahlen mehr und stützen dadurch die schwächeren.
Wir haben über einen längeren Zeitraum intensiv zusammengearbeitet. Für uns war das eine sehr schöne und kreative Zeit. Was ist euch von der Ausstellungsarbeit am meisten im Gedächtnis geblieben?
S: Ich fand die Zufälle am besten. Hätte mir vorher jemand gesagt, dass wir im Keller des Museums Pankow ein perfektes Gestaltungsraster für die Ausstellung finden würden, ich hätte gelacht. Das war schon ein kleines Wunder, als wir feststellten, dass wir diese modulare Stahlkonstruktion freistehend im Raum verteilen konnten und sie von der Anzahl der Module perfekt zum Gesamtumfang des Ausstellungsinhalts gepasst hat.
Trotz des schmalen Budgets konnten wir eine visuell sehr anspruchsvolle Wanderausstellung machen. Durch das Wiederverwenden bereits vorhandener Materialien hatten wir einen sehr geringen Materialdurchsatz. Weitere Anforderungen waren der einfache Auf- und Abbau und die Wetterfestigkeit.
Bei den Bannern haben wir mit einem Hersteller zusammengearbeitet, der darauf spezialisiert ist, nachhaltige Aufsteller zu produzieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn obwohl es recyceltes Material ist, ist die Druckqualität mehr als überzeugend. Es war ein weiteres Highlight, als diese „Woodys“ aus dem Druck kamen.
C: Ich erinnere mich gerne daran, wie der mobile Raben-Kiosk entstanden ist. Die Idee ist, damit zu Veranstaltungen zu radeln und ihn dort zu „entfalten“. Das Ganze basiert auf einem Fahrradanhänger für Kinder, den wir für diesen Zweck umgebaut haben. Das Material ist komplett re‑used – von der „Material-Mafia“ und aus der Werkstatt von Carsten, der uns beim Bau unterstützt hat. Toll ist es natürlich immer, wenn man miterlebt, wie sich die ersten Ideen entwickeln und dann Realität werden.
Die Wanderausstellung wird schon im November an einem prominenten und zentralen Ort zu sehen sein: dem Umweltministerium am Potsdamer Platz. Kann man sie einfach dorthin „übersetzen“?
L: Wir lernen den Raum dort erst noch kennen. Jeder Raum bringt eigene Qualitäten und Herausforderungen mit sich. Wir sind schon sehr gespannt.
Wir möchten uns noch einmal für die schöne Zusammenarbeit mit euch bedanken. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Wo kann man mehr über euch erfahren?
C: Wir bedanken uns auch! Unsere neue Website geht in Kürze online.
