Nach kurzer Wartezeit liegt im Wiener Verlag Bahoe Books nun auch die Übersetzung des zweiten und abschließenden Bandes der Reihe „Viva L’Anarchie!“ von Bruno und Corentin Loth in deutscher Sprache vor.

In der Rezension des ersten Bandes (Rabe Ralf Februar 2025, S. 28) schrieben wir, dass dieser mit einem „Cliffhanger“ endet: Der ukrainische Revolutionär und Anarchist Nestor Machno breitet eine Karte des Landes auf dem Tisch aus und sagt: „Es ist jetzt wohl an der Zeit, euch von der sogenannten Machnowschtschina zu erzählen!“ Genau das tut er nun in Band zwei.

Im Zweifel hilft Wodka

Hier erfährt man etwa, dass Machno stets nur von der „sogenannten“ Machnowschtschina sprach, weil er es als Gegner von Herrschaft und Personenkult natürlich ablehnte, dass die freien Landkollektive seiner Partisanenbewegung nach ihm benannt wurden. Es waren die autoritären Bolschewiki, die den Namen prägten.

Wie im ersten Teil berichten Machno und sein spanischer „Kollege“ Buenaventura Durruti abwechselnd von ihren Kämpfen in der Ukraine, in Spanien und anderswo. „Kämpfe“ ist wörtlich zu verstehen, denn es geht historisch akkurat und damit blutig zu. Beschönigt wird nichts. Auf Seite 30, dem vielleicht stärksten Panel, spricht die Gruppe über revolutionäre Zweifel. Dann wird kurz geschwiegen. Dreißig Seiten weiter wird der Anarchistin Émilienne Morin beim Thema gerechtfertigte Hinrichtungen schlecht. Da hilft jedoch ein guter Schluck ukrainischer Wodka. Praktisch.

Kommt jetzt das Kritische?

In der Rezension von Band eins hatten wir gefragt, ob die Autoren hier eine Heldengeschichte erzählen oder es den Leserinnen und Lesern zutrauen, sich ein eigenes Bild zu machen. Diese Frage bleibt offen. Sicher ist aber, dass der Band die libertäre Szene zu einer fruchtbaren Selbstbefragung anregen könnte. Zum Teil sind es unangenehme Fragen, die sich stellen könnten. Die unangenehmste: Warum konnte der Anarchismus bisher vor allem in Kriegszeiten – und nur kurzfristig – durchgesetzt werden? Ist vielleicht nicht Proudhon, sondern der Krieg sein wahrer Vater? Allein deshalb lohnt sich die Lektüre.

Rezension zu:

Autor
Bruno Loth, Corentin Loth
Titel
Viva L’Anarchie!
Unteritel
Nestor Machno und Buenaventura Durruti. Band 2
Verlag
Bahoe Books, Wien 2025
Seiten, Preis
120 Seiten, 24 Euro
ISBN
978-3-903478-57-2