Seit mehreren Jahrzehnten ist Elisabeth Voss in Selbstverwaltungsstrukturen aktiv – als engagierte Teilnehmerin, Organisatorin, Beraterin. Die studierte Betriebswirtin (FH) verfügt über Wissen, das vielen Aktivist*innen fehlt, und kennt sich bei Themen aus, die man beim Aktivismus gerne wegschiebt. Während der Lockdowns in der Corona-Pandemie begann sie, mit Material von ihren zahlreichen Vorträgen zu unterschiedlichen Aspekten an einem Manuskript zu schreiben. Das Ergebnis ist nun als „Praxishandbuch Selbstverwaltung“ im Bielefelder Transcript Verlag erschienen.

Das Handbuch ist eine gute Ergänzung zu dem in zwei Auflagen erschienenen „Wegweiser Solidarische Ökonomie“, den sie herausgegeben hat, und zu ihren Beiträgen in den Zeitungen Contraste, Graswurzelrevolution und auch dem Raben Ralf.

Leicht verständlich und konkret

Das Handbuch richtet sich an Menschen, die Betriebe im Bereich der solidarischen Ökonomie oder entsprechende Hausprojekte gründen wollen. Es gliedert sich in zwölf Kapitel sowie einen hilfreichen Anhang. Nach einer etwas lang geratenen Einleitung beginnt das erste inhaltliche Kapitel mit praktischen Tipps für das Miteinander – wichtig für die Zusammenarbeit gerade in der Gründungsphase. Dann geht es um konzeptionelle Fragen und geeignete Rechtsformen bis hin zu Buchhaltung, Steuern und Versicherungen. Es sind viele, aber wichtige Themen, die hier angesprochen werden. Im letzten Kapitel gibt die Autorin dann noch einmal sehr konkrete Hinweise, die mir persönlich als bedeutsam erscheinen.

Das Praxishandbuch ist leicht verständlich verfasst, immer beginnend bei sehr einfachen Grundlagen, gerade in den ersten Kapiteln. Das könnte einem fast schon etwas banal vorkommen, wenn es zum Beispiel um Themen wie Konsens geht. Elisabeth Voss verweist hier auf „viele lehrreiche Einblicke“ in gelungene wie gescheiterte Projekte. Ich hätte mir das eine oder andere Mal gewünscht, dass die Ausführungen etwas mehr in die Tiefe gehen. Die Autorin selbst betont mehrfach, dass ihr Buch die Konsultation von Fachleuten für Versicherungen oder eine konkrete Beratung für die Wahl einer geeigneten Rechtsform nicht einfach ersetzen kann.

Didaktisch gut aufgebaut

Was die Wissensvermittlung angeht, ist das Buch sehr gut gemacht. Die Autorin geht didaktisch fundiert vor, zum Schluss eines Kapitels liefert sie stets eine kurze Zusammenfassung, im Anhang findet sich ein weiterführendes Literaturverzeichnis mit Leseempfehlungen, und eine Übersicht zu konzeptionellen Fragen rundet das Ganze ab. Manchmal fragt man sich, ob nicht ein Teil der Ausführungen bei der Zielgruppe bereits Allgemeingut ist und vielleicht ein Schritt hätte übersprungen werden können, doch nicht alle haben dieselben Voraussetzungen und in der jetzigen Form ist das Handbuch eine runde Step-by-step-Anleitung.

Das Werk gibt es als gedrucktes Buch oder als PDF zum selben Preis. Die Autorin hat sich gegen eine kostenlose Onlinefassung entschieden und begründet dies auch in ihrer Anleitung – und für ein solches Fachbuch erscheint mir der Preis auch angemessen. Auf der Website zum Buch gibt es weitere Informationen und dort werden auch Aktualisierungen veröffentlicht.

Man kann nur wünschen, dass das Buch eine Vielzahl engagierter Leser*innen findet, die auf dieser Grundlage erfolgreiche Projekte für solidarische Ökonomie und Selbstverwaltung aufbauen und die damit einhergehenden Ideale verbreiten.

Rezension zu:

Autor
Elisabeth Voss
Titel
Praxishandbuch Selbstverwaltung
Unteritel
Rechtsformen und Finanzierung für die Gründung von Kollektivbetrieben und Hausprojekten
Verlag
Transcript Verlag, Bielefeld 2025
Seiten, Preis
480 Seiten, 39 Euro
ISBN
978-3-8376-7580-1