Konstantin Linder studierte medizinische Ernährungswissenschaft, weil er „endlich auch etwas von Gesundheit verstehen“ wollte, wie er in der Einleitung zu seinem Buch „Tellerwissen“ schreibt. Was er heute beruflich macht, erwähnt er nicht, aber in Online-Videos beschäftige er sich kritisch mit Ernährungstipps und -trends.
Der Autor gibt zu, dass er selbst „lange von rhetorisch überzeugenden Influencern auf Abwege geführt wurde“. Zum Beispiel habe er eine Zeit lang „begeistert Kaffee mit Butter getrunken“. Nun preist er nicht selbst eine bestimmte Diät an, sondern erklärt, wie wir uns zwischen den vielen Tipps, Hypes und Werbeversprechen orientieren können. Es geht um ein Verständnis der Grundlagen der Ernährungswissenschaft.
Gute und schlechte Gesundheitsstudien
Dafür scheint ein Buch mit fast 250 Seiten etwas dick geraten zu sein, und tatsächlich beginnt Linder mit ausführlichen Erklärungen zur Evolution des Menschen und zu Wissens- und Wahrnehmungsproblemen. Erst auf Seite 87 kommt das gute Kapitel zu generellen wissenschaftlichen Standards und den Unterschieden zwischen verschiedenen Arten von Studien. Mehrmals lobt der Autor überschwänglich „das“ wissenschaftliche Vorgehen, aber er erläutert auch, warum es eine Vielzahl schlechter Studien gibt. Erst auf Seite 159 beginnen die Erklärungen zur Ernährungswissenschaft und den diversen Nährstoffen.
Zwei Konstanten in Linders Darstellung sind die Kritik an lebensmittelbezogenen Behauptungen und das Empfehlen einer ausgewogenen Ernährung. Die allermeisten Lebensmittel sollten weder verteufelt noch zu einer Quasi-Medizin hochstilisiert werden.
Wer sein Hintergrundwissen festigen will (Was ist der Unterschied zwischen Zuckern und Fetten, wo doch beide Kohlenhydrate sind?) und Gesundheitsstudien besser verstehen möchte, kann zu diesem betont niedrigschwelligen Buch greifen. Geeignet ist es auch für Menschen, die einem Ernährungskult anhängen oder anderen Leuten helfen wollen, aus einem solchen auszusteigen.
Rezension zu:
- Autor
- Konstantin Linder
- Titel
- Tellerwissen
- Unteritel
- Verstehen, was wir essen sollten
- Verlag
- Alibri Verlag, Aschaffenburg, 2025
- Seiten, Preis
- 246 Seiten, 20 Euro
- ISBN
- 978-3-86569-428-7
