Dieser Comic „untersucht in 25 Rezepten, wie unser Körper und unsere sozialen Beziehungen durch die tägliche Manipulation von Nahrung geformt wurden, die wir Kochen nennen“, ist auf dem Buchumschlag zu lesen. Das ist etwas hoch gegriffen, denn über weite Strecken der fast 300 Seiten werden diverse prähistorische Ernährungs- und Kochtechniken aus aller Welt dargestellt, die kaum allgemeine Erkenntnisse bringen. Die Autorin Tine Steen ist auch so ehrlich, dazuzusagen, dass das Sozialverhalten der diversen menschlichen und, sagen wir, halbmenschlichen Spezies nicht anhand von Ausgrabungsfunden erklärbar ist und dass die heutigen Jäger-und-Sammler-Kulturen bis auf Aspekte der Geschlechterverhältnisse zu uneinheitlich sind. Steen verliert sich ein bisschen in den vielen Schilderungen längst ausgestorbener Ernährungsweisen, gleichzeitig hat ihre offensichtliche Leidenschaft fürs Thema aber einen außergewöhnlichen Sachcomic hervorgebracht.

Das betrifft zum einen den Inhalt. Das Einbeziehen wissenschaftlicher Quellen und die Breite der Darstellung erreichen das Niveau einer Bachelor-Arbeit. Das ist für das alleinige Werk einer Comiczeichnerin sehr ungewöhnlich. Wir lernen etwa, dass das Kochen eine Voraussetzung für die Entstehung des Menschen war und das dadurch mögliche Auslagern eines Teils der Verdauung – gekochte Nahrung stellt viele Nährstoffe besser zur Verfügung – eine Grundlage für die menschheitsgeschichtliche Verkleinerung des Verdauungstrakts, die wiederum eine Voraussetzung für ein größeres Gehirn war. Eine ähnliche Rolle spielte übrigens das Fermentieren, auch von Milch (ein Ergebnis: Käse).

Vergnügen, Spannung, Wissenschaft 

Zum anderen besticht die zeichnerische Umsetzung mit erstklassiger Kreativität. An etlichen Stellen ist die Textfülle so groß, dass kaum von einem Comic die Rede sein kann, aber insgesamt zeigt Steen immer wieder, wie der wissenschaftliche Forschungsstand sich mit grafischen Mitteln so darstellen lässt, dass sowohl Vergnügen als auch Spannung erzeugt werden. Die Menschen und anderen Tiere sind dabei betont unrealistisch und unschmeichelhaft – und somit doch ein bisschen realistisch – gezeichnet, wie ein Kindercomic mit Einflüssen eines Stils, der früher vielleicht Undergroundcomic genannt wurde.

Dieses Buch ist eine Einführung sowohl in Ernährungsphysiologie als auch in Urgeschichte, und durch die vergnügliche Darstellung und das häufige, pädagogische Aufwerfen von Fragen eignet es sich auch für Kinder.

 

Rezension zu:

Autor
Tine Steen
Titel
Die kochenden Affen
Verlag
Avant Verlag, Berlin 2025
Seiten, Preis
296 Seiten, 29 Euro
ISBN
978-3-96445-151-4