Der Titel des neuen Sachbuchs der beiden Umweltjournalistinnen Susanne Götze (Spiegel) und Annika Joeres (Die Zeit) wirkt auf den ersten Blick etwas reißerisch und unseriös: „Die Milliardenlobby. Wer uns von Öl und Gas abhängig macht“ – das lässt eine aufgebauschte Enthüllungsstory mit vielen effekthascherischen Beispielen und Geschichten erwarten. Entsprechend ist leider auch die Marketingstrategie des Verlages angelegt.

Erfreulicherweise ist aber nur der Titel missglückt und nicht das Buch. Das Problem gab es bereits beim ersten gemeinsamen Buch der Autorinnen, das 2020 ebenfalls im Piper Verlag erschien: „Die Klimaschmutzlobby. Wie Politiker und Wirtschaftsführer die Zukunft unseres Planeten verkaufen“.

Kritik auch an den Grünen

In drei großen Abschnitten – „Die Bremser“, „Die Gedankenmanipulierer“ und „Die Scheinlösung“ – tragen Götze und Joeres faktenreich und gut verständlich Informationen zu Lobbyismus und ominösen Thinktanks zusammen. Dabei greifen sie auf seriöse Quellen zurück und ordnen sie ein. Hier zahlen sich ihre Erfahrungen als investigative Journalistinnen aus.

In der Einleitung schreiben sie: „Dieses Buch deckt auf, welche Lobbyisten und Politiker sich weiterhin für teure und risikobehaftete Öl- und Gasimporte einsetzen – und damit die stabile Versorgung mit Strom, Waren und Wärme gefährden.“ Dabei bekommen aber nicht nur Industrie, CDU und AfD ihr Fett weg, sondern auch die Grünen, etwa in Gestalt von Annalena Baerbock.

Mitunter stolpert man über den zum Teil sehr persönlich gehaltenen Schreibstil der Autorinnen. Für die Effizienz von Wärmepumpen wird schon mal die positive Erfahrung von Susanne Götzes Mutter als Referenz genannt. Auch Annika Joeres plaudert aus dem Nähkästchen, wenn es um die „Betreuung“ von Journalist:innen durch die Automobilbranche geht. Das verleiht dem Ganzen eine gewisse Authentizität, wirkt aber beim Lesen auch etwas befremdlich.

Gleiches gilt für die Fokussierung auf Deutschland. Man weiß zwar, was mit Formulierungen wie „Energiesicherheit von Deutschland“ gemeint ist, die Wortwahl überrascht dennoch.

Individuell und politisch

Zum Abschluss schlagen Götze und Joeres noch jeweils fünf Maßnahmen vor, die von den Leser:innen selbst sowie von den Regierenden relativ leicht umgesetzt werden könnten und gleichzeitig deutliche Wirkung hätten. Diese sind nicht sonderlich innovativ. Individuell wird empfohlen, für kurze Wege das Fahrrad zu benutzen oder auf Inlandsflüge zugunsten von Bahnfahrten zu verzichten. Die Regierung wiederum möge den Preis für das Deutschlandticket möglichst gering halten.

Nach den bisherigen Ausführungen hätte man hier doch etwas mehr erwartet. Gut ist aber, dass zwischen der individuellen und der politischen Ebene unterschieden und nicht die Verantwortung nur bei einer Seite gesehen wird.

Insgesamt ein sehr wichtiges und lesenswertes Buch, in dem tatsächlich skandalöse Zusammenhänge aufgedeckt werden. Leseempfehlung!

Rezension zu:

Autor
Susanne Götze, Annika Joeres
Titel
Die Milliardenlobby
Unteritel
Wer uns von Öl und Gas abhängig macht
Verlag
Piper Verlag, München 2025
Seiten, Preis
288 Seiten, 22 Euro
ISBN
978-3-492-07331-8